Montag, 18. September 2017

Diabetes oder ein nächtlicher Heimweg zu Fuß

Hallo zusammen!
Bevor ich mich thematisch mit einigen Texten dem EASD in Lissabon widmen werde, möchte ich euch noch kurz von einer anderen Begebenheit erzählen.

Vor einigen Tagen bin ich mit ein paar Freundinnen spät abends zur S-Bahn-Station gelaufen. Eigentlich rechnete ich damit, diesen Weg alleine zu bestreiten, aber weil die Station für alle anderen auch irgendwie passend war, sind wir zusammen gegangen. So etwas freut mich immer. Auch, wenn ich mein wirklich schnelles Gangtempo etwas runterfahren muss, aber hey, zumindest muss ich nicht nachts allein zur S-Bahn gehen und habe tolle Begleitung. So oft passiert das nämlich leider nicht. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, an solchen Abenden allein zur S-Bahn, allein nach Hause zu laufen, weil ich meistens in genau der anderen Richtung wohne. Auch wenn es nie Spaß macht und ich mich eigentlich nie ganz wohl dabei fühle - ich habe keine andere Wahl.
An diesem einen Abend hatte ich also ausnahmsweise großartige Begleitung auf dem Weg zur S-Bahn-Station. Als wir fast an besagter Station waren, mussten wir durch eine relativ dunkle Straße mit vielen Büschen und Zäunen, und eine meiner Freundinnen sagte: "Und HIER wärst du wirklich alleine lang gelaufen, Tine?". Ja, wäre ich. Wie schon gesagt, ich habe ja keine andere Wahl. Oft muss ich den Heimweg einfach allein antreten und auch, wenn es nie toll ist, hab ich mich inzwischen gezwungenermaßen daran gewöhnt.


Und ich begann nachzudenken. Über meine Krankheit und mich. Auch mit dem Diabetes ist es irgendwie so wie mit dem nächtlichen Heimweg. Manchmal habe ich ganz großartige Begleitung, mit der es Spaß macht, den dunklen, anstrengenden Weg zu gehen, aber sie ist nie selbstverständlich für mich. Sei es nun von meiner großartigen Diabetesberaterin und meiner Diabetologin, wenn ich Praxistermine habe. Oder von meinen Freunden, die sich auch mit ihrem Diabetes herumschlagen müssen und genau verstehen, wie es mir in einigen Situationen geht, weil sie es genau kennen. Oder von Familie, Partner und Freunden ohne Diabetes, die sich wegen mir mit mir und der Krankheit beschäftigen und mir immer zur Seite stehen, komme, was wolle. Am Ende des Tages muss ich aber doch ganz alleine mit meiner Krankheit klarkommen und mich gut um mich selbst kümmern. Ich muss selbst berechnen, wie viel Insulin ich mir spritzen muss und bin für meine Mahlzeiten, meine Bewegung, meinen Alltagsstress und meine Werte größtenteils selbst zuständig. Ich muss mich mit meiner Krankheit gut auskennen. Schnell kann es gefährlich werden. Oft zum Glück einfach nur nerven. Und viel im Kopf anrichten. Deshalb ist es umso schöner, wenn man den Weg ab und an in Begleitung gehen kann oder zumindest weiß, dass da immer jemand am Weg steht, falls man eine Hand braucht. Danke dafür - ihr wisst, wer ihr seid!

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Freitag, 25. August 2017

Eine ungewohnte Situation

Hamburg. Ich saß mit einer Freundin in einem Café. Wir waren zum Mittagessen verabredet. Es gab Risotto mit Pfifferlingen. Ich spritzte meine entsprechenden Einheiten Insulin zum Essen. "Ich finde das sooo cool, dass du das einfach machst! Nadel rein, fertig! Richtig gut!". Moment mal - hatte meine Freundin mir gegenüber grade Anerkennung für das für mich ganz normale Insulinspritzen ausgesprochen? Das ist neu für mich, das ist ungewohnt. Normalerweise bekomme ich, wenn überhaupt, ausschließlich Sätze zu hören wie: "Also ich könnte das ja nicht!" oder "Das tut doch bestimmt weh, oder?", oder Leute verziehen schmerzhaft ihr Gesicht. Aber auf so eine ermächtigende und positive Art und Weise habe ich das selbst bisher noch nicht erlebt. Und ja, ich könnte das jetzt einfach so stehen lassen, es nicht so wichtig nehmen und weiterleben. Aber ich finde das schon eine eher besondere Reaktion von jemandem, der selbst sonst gar keine Berührungspunkte mit dem Thema Diabetes hat. 

Ein paar Wochen später treffen wir uns wieder, zum Frühstück. Es gibt Shakshuka und viel, viel Brot. Ich stelle am Pen meine Einheiten ein und spritze. "Das ist echt richtig gut, wie du das einfach so machst! Zack, rein! Finde ich echt klasse.", sagte sie wieder. Ich hielt kurz inne und freute mich ein Bisschen. Es tat einfach mal gut, sowas zu hören. Es bestätigte mich in allem, was ich hier schon verbloggt habe in den letzten vier Jahren. Manche von euch wären an dieser Stelle vielleicht schon genervt, ja, ich kann es geradezu hören, wie genervt ihr zum jetzigen Zeitpunkt von meiner Freundin sein würdet. Weil sie schon wieder das Gleiche gesagt hat, mich schon wieder so darauf angesprochen hat. Ist es nicht irgendwann mal gut? Müssen wir da ständig drüber sprechen? Und ich finde, da ist der Haken in unserer Gesellschaft. Wir ermächtigen und ermutigen und bewundern und komplimentieren uns viel zu selten gegenseitig, und wenn es dann mal jemand ehrlich und auf eine ganz natürliche Art und Weise macht, kann es schnell zu viel werden, wenn man mit so einer positiven und bewundernden Art konfrontiert wird. Aber wenn solche Sätze von Herzen kommen, spürt man das, und dann dürfen die ruhig direkt ins eigene Herz hinein. 

Ein paar Tage später. Wir treffen uns abends bei einer anderen Freundin, sind am Ende zu viert und trinken gemeinsam Wein. Vier wundervolle Frauen sitzen am Tisch, jede anders, jede hat ganz andere Erfahrungen gemacht und Zeiten erlebt, und doch und vielleicht gerade deswegen kommen wahnsinnig inspirierende Gespräche zustande. Was zu knabbern gibt's natürlich auch. Irgendwann messe ich und spritze, und meine Freundin hat dafür irgendwie immer ein Radar. Andere Menschen würden das gar nicht mitbekommen, weil es doch eigentlich super schnell geht, so zumindest meine bisherigen Erfahrungen. "Entschuldige, aber ich muss es dir wieder sagen. Ich weiß, ich sage es oft. Aber es ist einfach so. Ich finde es so klasse, dass du das hier einfach so machst und dann der Abend direkt weitergeht. So, als wäre es nichts.", sprudelte es aus ihr heraus. Auch die anderen Ladies, die vorher gar nicht wussten, was bei mir Sache ist, stimmten mit ein. So viel Anerkennung und Bestätigung für meine Insulinabgabe auf ein Mal gab's noch nie. Und es fällt mir nach allem, was ich im Leben selbst erlebt habe, auch wirklich schwer, das einfach so anzunehmen und mir einfach auch mal selbst auf die Schulter zu klopfen. Für mich ist es normal, aber für die Frauen, die hier sitzen, mit all ihren eigenen Alltagsproblemen und Normalitäten, ist es absolut cool, wie ich meine chronische Krankheit so locker zu meistern scheine. Natürlich kriegen sie die schlechten Tage nicht mit oder seltener, die Tage, an denen ich mich vielleicht echt nur widerwillig spritze, weil ich das Gefühl habe, dass es sowieso nur wie Wasser wirkt oder die Tage, in denen ich mit Traubenzucker in der Hand einschlafe. Aber genau für diese Tage packe ich mir die ganze Anerkennung in eine imaginäre Truhe und bewahre sie mir dann dafür auf.

Ehrlich gemeinte Anerkennung stärkt ungemein. Nicht nur für den Augenblick, sondern eben auch für spätere Zeitpunkte. Glorifizierung schafft allerdings Distanz. Der Grad zwischen ehrlich gemeinter Bewunderung und Anerkennung und Glorifizierung ist schmal und es liegt an uns, in entsprechenden Situationen zu erkennen, wie es vom Gegenüber gemeint ist. Ich bin kein Superstar oder keine Heldin, weil ich mich täglich mit meiner chronischen Krankheit beschäftigen muss. Ich bin aber auch kein Opfer, das nur mit Samthandschuhen angefasst werden darf. Dennoch finde ich es in einem freundschaftlichen Rahmen schön, wenn man sich gegenseitig ehrliche Anerkennung ausspricht oder sich sagt, dass man sich gegenseitig toll findet, wenn es die Situation anbietet. Und das nicht nur zu Weihnachten oder zum Valentinstag. Wir können nie genug positive Vibes haben, gerade heutzutage. Unsere Zeit hier auf der Erde ist begrenzt und es könnte jeden Tag vorbei sein. Sagt eurem Gegenüber, dass ihr sie oder ihn klasse findet, wenn ihr es denkt und fühlt. Sprecht eure Anerkennung aus und behaltet sie nicht für euch. Ihr füllt damit die Batterien eures Gegenübers auf und stärkt eure gemeinsame Bindung. Und das ist etwas Tolles.


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Liebe Freundin, wenn du das liest: Hör bitte niemals auf so zu sein, wie du bist!

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Dienstag, 22. August 2017

Tief, tiefer, am tiefsten

Im Moment bin ich manchmal tatsächlich täglich überrascht, wie gut ich das aktuell wieder mit meinen Werten hinkriege. Selbst Pizza ist gerade kein Problem für mich und meinen Blutzucker. Vor einigen Wochen schrieb ich noch, wie jeder Zyklus irgendwie anders meine Werte durcheinander bringt. Aber siehe da: Seit der letzten Periode läuft es irgendwie auf magische Weise. Oder liegt's auch an meinem Zutun? Vermutlich ist es eine Mischung aus Beidem.

Überrascht bin ich, weil ich wegen Zyklus und anderen spaßigen Dingen in den letzten Monaten schon irgendwie fast aufgegeben hatte, was das Herumprobieren und Verändern meiner Therapie angeht. Das ist manchen von euch jetzt vielleicht wieder ein Bisschen zu ehrlich, aber ich hatte einfach wirklich anderes im Kopf. Und ja, das ist nicht gerade vorbildlich für jemanden mit einer chronischen Krankheit. Aber wir alle kennen vermutlich solche Phasen, in denen es einfach Wichtigeres gibt und der Diabetes total in den Hintergrund rückt. Umso glücklicher bin ich gerade darüber, dass jene Phase nun endlich, zumindest vorerst, vorbei zu sein scheint. Ich betrachte meine Werte und kann es teilweise kaum fassen. Ich mache Dinge wieder richtig! Ich kann doch noch Kohlenhydrate schätzen! Es geht mir gut! Endlich mal wieder normale Werte und keine Berg- und Talfahrt auf dem Bildschirm. Zwar ist mein HbA1c gleich geblieben. Dennoch: das war eines unserer Therapieziele, den HbA1c halten und diesen nur ganz langsam senken. Das ist wie mit allen anderen Dingen im Leben: schnell schnell ist nie die gesündere Möglichkeit, egal um was es geht. Alles langsam verändern. 

Die für mich verrückteste Veränderung momentan ist, dass mein Körper wahnsinnig empfindlich auf das gespritzte Insulin reagiert, sobald ich generell bessere Werte halten kann. Das ist vermutlich bei vielen von uns so, überrascht mich aber jedes Mal wieder. Vor allem nach so einer Phase, wie ich sie jetzt hatte: mit vielen auch teilweise wirklich wahllos gespritzten und auch größeren Wutboli, die den Blutzuckerwert einfach nicht in den Zielbereich bringen wollten und vielen verzweifelten Stunden an der Wasserflasche und auf der Toilette, weil das Insulin einfach nur wirkte wie Wasser. Aber jetzt, jetzt wirkt es wieder. Und zwar gewaltig.

Letzte Nacht wachte ich gegen 2 auf und ich konnte bis 4 nicht mehr schlafen. Das lag zunächst einmal an einer heftigen Unterzuckerung, von deren Symptomen ich glücklicherweise aufgewacht bin. Zittern, schwitzen, ihr kennt das sicher. Ich checkte meinen Blutzuckerwert: LO. Ok. Das passte so ungefähr exakt zu meinem Körpergefühl. Zügig versuchte ich die Unterzuckerung mit flüssigem Zucker zu behandeln. Die Zähne waren natürlich schon geputzt, toll. Ich war genervt und müde. Und mit wenig Zucker war es auch nicht getan. Ne Viertelstunde später war ich immer noch ähnlich tief. Mehr Zucker. Viertelstunde später immer noch ähnlich tief. Noch mehr Zucker. Ich hatte echt die Schnauze voll und war müde. Die letzte Insulinabgabe fand vor 20Uhr abends statt. Das machte alles überhaupt keinen Sinn. Oder doch? 

Gegen 3Uhr ging es langsam Richtung Normalwert. Endlich. Schlafen ging trotzdem erst einmal nicht mehr. Jetzt hatte ich ja wieder super viel Treibstoff im Körper, ich stand quasi im Bett. Um 4Uhr dämmerte es draußen. Irgendwann habe ich es irgendwie wieder geschafft, einzuschlafen. Der Wecker klingelte um 8 das erste Mal, natürlich bin ich da nicht aufgestanden. Das ist ein Luxus, den ich mir im Moment glücklicherweise leisten kann. Geholfen hat es heute aber nicht wirklich. Der Tag war trotzdem durch für mich. Und ich musste mich eher versuchen oben zu halten.

Jetzt muss ich die nächsten Tage abwarten, geizig sein mit dem Insulin, vor allem abends, und dann schauen, ob sich dieses Spektakel wiederholen wird. Und vergleichen, Notizen machen, Schlüsse daraus ziehen. Also alles wieder von vorn. Bis es vielleicht wieder nicht mehr ausreicht. Im Moment ist es ein Spiel, welches ich nicht mehr so gerne spielen möchte. Wir können gerne hier an diesem Punkt bleiben, das Insulin normal wirken und meine Werte gut lassen, echt. Ich hätte damit kein Problem. Ich kann den nächsten Zyklus, in dem es wieder anders sein wird, aber schon beinahe riechen. Ein ewiges Hin und Her. Fast ein Bisschen wie damals mit der bescheuerten Remissionsphase. Wie lange noch? Und wie bei meinem letzten Eintrag wieder die Frage: Wie viel können wir leisten? 

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Dienstag, 8. August 2017

Der Status Quo

Wie geht's euch? Es ist endgültig Sommer, und wie immer bedeutet das hier bei uns in der Community ein Bisschen Leerlauf, Sommerpause. Und die Bundesliga geht wieder los (dass ich solche Dinge mal wissen würde, hätte ich auch nicht gedacht). Im Moment arbeite ich viel, bin ein wenig gestresst und kann meinen kleinen Urlaub im September kaum erwarten. Dazu kommt, dass ich viel mit meinen Blutzuckerwerten kämpfe, in beide Richtungen. Esse ich nichts, geht alles klar. Ne Lösung ist das allerdings nicht. Esse ich, ist das Chaos fast vorprogrammiert. Aber irgendwie hat grade alles eine komische Wirkung auf meinen Blutzucker. Keine oder zu viel oder zu wenig. Woran liegt das? Sind es Nachwirkungen der Pille?

Vielleicht liegt es tatsächlich an meinen aktuellen Zyklen ohne die Pille. Man sagt ja, es dauert ungefähr zwei Jahre, bis sich der Körper nach der letzten Pilleneinnahme regeneriert hat. Auch bei Katharina ist das gerade Thema. Ich bin nun fast ein Jahr runter von dem Zeug, und immer noch sehr froh darüber, dass ich den Schritt im letzten Jahr gewagt habe. Es war mit Sicherheit eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Dennoch, nur mit dem Absetzen ist es an dieser Stelle offensichtlich leider nicht getan. Ich habe zum ersten Mal schmerzhafte Perioden, und zum ersten Mal seit Ewigkeiten das Gefühl, dass wirklich auch mein Blutzucker von meinen Hormonen beeinflusst wird. Dagegen tun kann ich erstmal nicht viel, außer beobachten, notieren, korrigieren und nicht aufgeben. Dass ich mich mehr und mehr mit Menstruationstassen auseinandergesetzt habe, hilft ein Bisschen (Wenn ihr da Fragen dazu haben solltet, könnt ihr euch gerne an mich wenden. Ich bin inzwischen Profi.), aber löst nicht alle meine momentanen Probleme.
Egal, ich bereue das Absetzen nicht. Nur könnte der Alltag langsam mal angenehmer sein.

Und während Fußballfreunde wohl den ersten Statistiken entgegenfiebern, muss ich mich fragen, wie ich meine eigenen Statistiken möglichst wieder unter Kontrolle bekommen kann. Wie schon gesagt, ich beobachte, ich notiere und korrigiere. Aber ich frage mich: Wie viel können wir selbst leisten? Jeder Zyklus verläuft im Moment anders. Mal bin ich während meiner Periode super insulinempfindlich, mal wirkt das Insulin wie Wasser und ich komme nicht mehr runter von den hohen Gipfeln. Am Liebsten würde ich mich aktuell einfach an ein Closed-Loop-System anschließen lassen und mich um nichts weiter mehr kümmern müssen. Ich kann eben nur so viel tun, um meinen Blutzucker irgendwie halbwegs im Zaum zu halten. Ich kann mich nicht 24 Stunden am Tag damit auseinander setzen. Dafür reichen meine Ressourcen und Kapazitäten nicht. Ich kann nur hoffen, dass mein Körper sich irgendwann entscheidet und alles etwas vorhersehbarer wird.

Aber, haha, seit wann entscheidet sich der Diabetes für Vorhersehbarkeit?





Dienstag, 16. Mai 2017

Was kostet mich meine chronische Krankheit?

Ich meckere viel, aber ihr könnt euch drauf verlassen, dass das hier immer Meckern auf hohem Niveau ist und ich ganz genau weiß, wie gut wir es hier eigentlich haben mit unserer Versorgung.
Gestern ging es darum, dass der Diabetes eine chronische Krankheit ist, die uns gerne mal mit unerwarteten Überraschungen nerven kann. Viele von euch werden mir da sicher zustimmen können.

Die Alltags-Kosten meines Diabetes allerdings überraschen mich da schon weniger. Ich weiß, was ich bezahlen muss, wenn ich in die Apotheke gehe und mir mein Insulin abhole und ich weiß, was ich zuzahlen muss, wenn eine neue Bestellung Sensoren ihr Lager verlassen und sich auf den Weg zu mir machen soll. Da sind wirklich keine Überraschungsmomente mehr dabei.

Dass medizinische Versorgung viel Geld kostet, wissen wir. Ich möchte heute aber den Blick mal kurz vom Geld abwenden und das heutige Thema der Diabetes Blog Week nutzen, um mit euch zu überlegen, was der Diabetes uns eigentlich sonst noch kostet.

Diabetes kostet mich Zeit. Ich lebe nun schon mehr als 1500 Tage mit Diabetes und habe diese Krankheit vermutlich bis zum Ende meines Lebens. An jedem dieser Tage musste ich mehrfach meinen Blutzucker bestimmen und im Auge behalten, die Kohlenhydrate meines Essens berechnen, Insulin errechnen, Insulin spritzen, oft auf Unter- oder Überzucker reagieren, meinen Alltag mit dem Diabetes abgleichen. Diabetes ist ein 24/7-Job, für den es keinen Lohn und keine Urlaubstage gibt. Diabetes hat mich schon so viele Stunden Schlaf gekostet, oder Zeit, in der ich mich wohl und gut fühlen hätte können, das glaubt ihr nicht. Er kostet nicht nur mich Zeit, sondern auch alle Menschen, die regelmäßig mit mir zu tun haben. Und diese Zeit gibt's nicht zurück, die ist einfach weg. Diabetes kostet mich Zeit.

Diabetes kostet mich Freiheit. Ich kann nie einfach so ohne Tasche mit Pens, Messgerät und Zucker das Haus verlassen. Nie. Diabetes kostet mich Freiheit.

Diabetes kostet mich Nerven und Kraft. Besonders an den Tagen, an denen es mir nicht gut geht oder an denen es mit dem Diabetes nicht so gut läuft, zieht mich der Diabetes noch viel mehr runter. Ständig denkt man an seine Krankheit, immer läuft sie im Hintergrund mit. Scheißegal, ob es gerade passt oder nicht. So kann eine schlaflose Nacht direkt noch blöder sein, weil sie einem nicht nur Schlafzeit, sondern auch die Energie für den nächsten Tag raubt. Wenn der Blutzucker einfach nicht runter gehen will und der Wecker in 3 Stunden klingelt, leert das die Batterien und raubt einem den letzten Nerv. Diabetes kostet mich Nerven und Kraft.

Diabetes kostet mich Gesundheit. 
Gesundheit ist unser wichtigstes Gut. Wenn ich mich schlecht behandle oder mich nicht gut um mich kümmere, kostet der Diabetes mich meine restliche Gesundheit. Wenn meine Blutzuckerwerte nicht passen, fühle ich mich nicht fit und leistungsfähig wie ein gesunder Mensch. Diabetes kostet mich Gesundheit.

Diabetes kostet mich Momente und Erlebnisse. Beim Sex unterzuckern macht keinen Spaß. Zwar ist es eigentlich kein Problem, trotzdem kann der Moment schnell mal davon kaputt gemacht werden. Am anderen Ende der Welt die tollste Wandertour geplant zu haben und dann will der Blutzucker einfach über Stunden vorher nicht hochgehen, sodass die Wandertour abgesagt werden muss. Scheiße. Während eines Konzertes unterzuckern und dann die Menge verlassen müssen, weil man sich so schlecht regenerieren kann, wenn um einen herum alle tanzen. Ich könnte noch tausende andere Beispiele aufzählen, in denen der Diabetes ein Arschloch sein kann. Diabetes kostet mich Momente und Erlebnisse.

Das alles und noch so viel mehr kostet mich der Diabetes und das wollte ich heute einmal mit der Welt teilen, denn grade gesunden Menschen ohne Diabetes ist oft nicht klar, was diese Krankheit für ein Leben bedeuten kann.

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Montag, 15. Mai 2017

Die Lösung ist so einfach, wie sie schwer zu ertragen ist

Das Leben läuft nach seinem eigenen Programm ab. Jeder Tag ist anders, und dennoch gibt es im Alltag Dinge, die wir (aus Routine) vorhersagen können und von denen wir wissen, dass sie passieren werden. Sowas kann uns ein gutes Gefühl geben, weil wir uns in der Routine und mit dem Wissen sicher fühlen können. Aber gerade weil das Leben nach seinem eigenen Programm abläuft, gibt es viele Dinge, die wir einfach nicht oder nur sehr bedingt beeinflussen können.

Den Diabetes zum Beispiel. Klar, bis zu einem gewissen Grad sind wir dafür verantwortlich, dass die Werte passen, dass wir alles, was wir brauchen, immer mit uns herumschleppen, bloß nichts vergessen und alles richtig machen. Aber selbst wenn wir 1000% vorbildliche Patienten wären, kann der Diabetes einem trotzdem immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen (das ist übrigens nicht nur mit dem Diabetes so, das ist das gleiche Spiel mit sämtlichen anderen chronischen Krankheiten und vor allem auch mit der psychischen Gesundheit!). Unsere Körper sind keine Maschinen und so wird aus Routine schnell mal das große unerwartete Chaos ohne Licht am Ende des Tunnels. Und was mache ich dann? Gibt es irgendwelche Tipps, wie man das schlimme Unerwartete leichter erträglich machen kann oder wie man sich für solche unerwarteten Fälle besser vorbereiten kann?


Klare Antwort: Nein. Man wächst da rein, so wie man in alles reinwächst, was einem das Leben bietet, und dann wird man hoffentlich allmählich lockerer und die Sachen werden immer einfacher.
Ich schwöre, Leute, das ist wie mit diesem "Erwachsenwerden": Früher dachte ich, dass ich mit Mitte 20 das Leben verstanden haben werde, ich alles unter Kontrolle haben werde und alles einfacher sein wird. Heute weiß ich: All die Fragen und Probleme, die mich schon immer beschäftigt haben, werden mich mein ganzes Leben lang beschäftigen, nur dass ich immer besser damit umgehen kann, weil ich dazugelernt habe und immer weiter dazulerne.
Natürlich kann ich für ein paar Stunden außer Haus für den Fall der Fälle immer zwei Ersatzpens, einen Insulinvorrat für vier Wochen und fünf Extra-Sensoren einpacken und für immer einen schweren Koffer mit mir herumtragen. Und trotzdem passiert am Ende irgendetwas total Unerwartetes, auf dass ich mich gar nicht vorbereiten konnte. Aber das ist okay! Denn daran wird nichts zugrunde gehen.

Es gab Zeiten, da haben mich solche Situationen wütend und traurig gemacht und ich wusste nicht, wie ich mit dem "Versagen" meinerseits umgehen sollte. Irgendwann habe ich auch für mich verinnerlicht, dass ich einfach nicht alles perfekt machen kann, weil ich kein Roboter bin. Ich konnte lernen, damit umzugehen, indem ich vor allem auch darüber geschrieben habe. Das war mein erster Schritt in die richtige Richtung. Und dann war alles raus und ich konnte allmählich lockerer werden, besser mit mir selbst umgehen, solche Momente nicht als versagt abstempeln und daraus lernen. Und so mache ich es auch jetzt noch.

Vielleicht klinge ich jetzt kitschig, weil ich das Folgende verinnerlicht habe. Vielleicht ist es aber auch nur ein Ergebnis dieses "Erwachsenwerdens": Alles ist ein Prozess und der Weg ist das Ziel. Vielleicht wird es auf dem Weg nebliger, aber das Lenken wird einfacher ("Life gets foggier, but steering gets a little easier" - das fand ich ein wunderschönes Bild zum Älterwerden generell, das passt aber auch hier und heute ganz gut, finde ich! Aus dem Pitchfork-Interview mit Feist im April: http://pitchfork.com/features/interview/10057-hard-feelings-a-conversation-with-feist/). Wenn wir das verstanden haben, geht's eigentlich mit dem Rest. Oder?

Habt alle eine schöne Woche!

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PS: Dieser Blogpost wurde inspiriert vom heutigen Thema der jährlichen Diabetes Blog Week von Bitter Sweet Diabetes. Ich nehme zwar nicht offiziell teil, aber habe mir dennoch vorgenommen, täglich einen Post zum Tages-Thema zu schreiben.

Samstag, 8. April 2017

Mir wird kotzübel...

Darf ich mich freuen? Seit der Basalinsulinumstellung läuft es bei mir echt ganz gut. Ich bin gerade endlich mal wieder höchstmotiviert, und die dazu passenden Werte-Kurven auf meinem Bildschirm zu sehen gibt mir unglaublich viel. Die sind nämlich spitze, also sehr gleichmäßig! Ich bin endlich, endlich über 70% der Zeit in meinem Zielbereich. Das tut sooo gut! Und es hält die Motivation natürlich oben und spornt mich an, genau so weiter zu machen, wie ich es jetzt gerade tue. Es fühlt sich gut an, ich habe Energie und schlafe weitaus besser. Und das alles nur, weil ich das Basalinsulin gewechselt und an meiner Unterzuckerungsangst und meinen Gewohnheiten gearbeitet habe. Das hat lange gedauert und wegen dieser habe ich immer erst lange nach den Mahlzeiten für mein Essen gespritzt, was oft zu sehr ausgeprägten Spitzen und viel Zeit mit hohen Werten geführt hat. Mittlerweile spritze ich meistens vor dem Essen - zwar immer noch vorsichtig, aber es wird von Tag zu Tag besser. Ich werde mutiger und lerne meinem Körper und meinem Kopf wieder zu vertrauen.

Trotzdem schaffe ich es leider nicht immer. Zum Beispiel wenn ich unterwegs bin, etwas aus der Hand esse, es kalt ist oder ich mit Freunden unterwegs bin und wir uns dem schnellen und stressigen Takt der Außenwelt fügen, so dass ich nirgends kurz mal runter kommen und den Pen auspacken kann. In solchen Momenten wünsche ich mir dann eine Pumpe, denn mit einem Pen unterwegs schnell zu spritzen, ohne kurz den schnellen Augenblick zu unterbrechen, gerade wenn man mehrere Lagen Kleidung trägt, das funktioniert fast nicht (wie ihr wisst, bin ich einer Pumpe ja tendentiell sowieso nicht abgeneigt, ich habe nur "mein" Modell noch nicht gefunden). Irgendwann vergesse ich dann, dass ich eigentlich noch spritzen muss und spüre nur noch, wie mich eine plötzliche Übelkeit überkommt. Körper gewöhnen sich ja so schnell um! Ein paar Wochen mit guten Werten und ZACK! wird mir bei Werten über meinem Zielbereich übel. Vor einigen Wochen noch hielt ich Stunden mit hohen Werten aus, ohne auch nur irgendetwas zu bemerken. Nun also wird es wirklich schnell unangenehm für mich, wenn ich es einmal vergesse, direkt zu spritzen. 

Da fällt mir direkt ein: Hat jemand schon Erfahrungen sammeln können mit dem neuen superschnellen Insulin Fiasp? Wenn ja, berichtet gerne! Ist es wirklich so schnell? Weil das in einer solchen Situation natürlich unglaublich fix aus der Situation helfen könnte... 

Ich fühle mich irgendwie wieder wie eine Anfängerin, und naja, nach vier Jahren ist das vielleicht auch manchmal noch okay. Jetzt heißt es also weiterhin dranbleiben, nicht nachlassen und weiter optimieren, um meine Therapie endlich mal wieder so richtig auf die Reihe zu bekommen! Kennt ihr das? Wird euch auch so schnell so unglaublich übel? 

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Donnerstag, 9. März 2017

Muss halt

Moin!

Manchmal hab ich einfach keinen Bock. Auf ganz unterschiedliche Dinge.

Heute hatte ich dieses Gefühl, als ich einen neuen Sensor setzen wollte. Die Zeit des alten war abgelaufen und der neue lag schon bereit und hat darauf gewartet, angelegt zu werden. Und ich? Ich hab mir zu viele Gedanken gemacht. Mal wieder. Nämlich um die Setzstelle.
Versteht mich nicht falsch, ich bin unheimlich dankbar, dass die moderne Sensortechnik in meiner Therapie Einzug gehalten hat und mich dabei unterstützt. Ich könnte mir meine Therapie im Moment nicht mehr ohne Sensoren vorstellen. Es ist mir im Alltag wirklich eine enorme Stütze und meine Fingerkuppen danken es ebenfalls. Trotzdem,... manchmal hab ich einfach keine Lust drauf. Keine Lust eine Stelle auszusuchen, keine Lust den Sensor zu setzen, keine Lust mich darum zu kümmern.

Eine geeignete Stelle zu finden macht mir im Moment wirklich zu schaffen. Denn ich bin zur Zeit scheinbar in einer komischen Phase. Ich finde den Sensor hässlich und möchte ihn nicht sehen. Am Besten nie. Außerdem hatte ich Probleme mit ein paar Sensoren an meinen Armen, so dass ich die letzten Sensoren alle auf dem Rücken getragen habe. Ja, richtig, auf dem Rücken! Natürlich nicht so mittendrin, schließlich muss ich auch noch rankommen. Ich habe die letzten Sensoren alle so auf der Stelle zwischen Schulterblatt, Schultergelenk und Brust getragen, quasi da, wo der BH-Träger grade so vorbeigeht. Dort war er sehr komfortabel zu tragen, hat mich aber trotzdem noch nicht 100% zufrieden gestellt. Und an den Arm möchte ich den Sensor grade irgendwie nicht setzen. Bein oder Bauch kommen auch nicht in Frage. Irgendwie ist da gerade was im Busch bei mir, und es gefällt mir so ganz und gar nicht. Woher kommt das plötzlich? Hässlich fand ich den kleinen Sensor schon immer. Ihr müsst zugeben: eine Augenweide ist er wirklich nicht. Aber irgendwie beginnt er mich mehr und mehr zu stören, nur durch seine pure Existenz.

Und auch Tapes, hübsche Bildchen oder Glitzer können daran nichts ändern. Natürlich könnte ich ein paar Tage sensorlos gehen. Das wiederum... möchte ich aber auch nicht. Denn ich weiß genau, dass ich dann wiederum in eine Phase kommen würde, in der ich per Pieks meinen Blutzucker höchstwahrscheinlich nicht messen würde, aus Gewohnheit, aus Faulheit, aus so vielen anderen Gründen. Ich habe super Werte, aber ich weiß ganz genau, dass kein Sensor = kein Messen.

Und ja, ich weiß, dass es ein verdammtes Privileg ist, sensorunterstützte Therapie zu haben und auch bezahlt zu bekommen und ich bin unfassbar dankbar darüber und beschwere mich trotzdem über diesen einen Aspekt meines Diabetes. Weil es Teil von etwas ist, was ich nicht wollte. Weil ich mir diesen Job nicht ausgesucht habe. Normalerweise sucht man sich seinen Job doch aus, oder? Vor allem, wenn es eine 24/7-Stelle ohne Urlaubstage oder Bezahlung ist. Und das ist der Diabetes eben.

Ich komme mit dem Sensor klar, aber...
Was heißt das? Die Sensoren sind, meiner Meinung nach, noch nicht klein genug, die Systeme noch nicht hübsch genug, alles noch nicht ausgeklügelt und fein und durchdacht genug. Wenn man mal persönliche Probleme damit entwickelt, wird es schnell ein Kampf. Und das Leben mit Diabetes hält ehrlich gesagt schon genug bereit. Ein weiterer Appell also an alle Firmen, die sich mit diesen Themen auseinander setzen, Systeme zu entwickeln, die zu vielen Menschen und Leben und Geschichten passen. Die Zukunft steht vor der Tür, ich glaub fest daran! Wenn ihr wissen wollt, was die unterschiedlichen Menschen für ihre unterschiedlichen Leben mit Diabetes brauchen, dann hört einfach mal aufmerksam in die Community hinein. Hört zu! Fragt nach! Wenn Thema Nummer 1 das Geld ist, dann läuft da definitiv noch was falsch.

Also werde ich es jetzt einfach so machen, wie ich das jeden Morgen mit dem Laufen mache: Ich denke nicht weiter drüber nach und setze den Sensor einfach irgendwo, wo er schon mal gut saß. Und dann leb ich damit, weil die anderen Möglichkeiten aktuell auch nicht in Frage kommen. So wie ich auch jeden Tag mit dem Diabetes lebe. Muss halt.

PS: Der Diabetes geht immer noch nicht mit Zimt oder Aryuveda weg. Verrückt, oder?


Montag, 13. Februar 2017

Naja, zaubern können wir noch nicht

Vorletzte Woche war es soweit - nach fast vier Jahren mit meinem NPH-Basalinsulin habe ich ein neues Basalinsulin bekommen. Das kam so:

Im Moment treffe ich mich sehr regelmäßig mit meiner Diabetesberaterin. Ziel ist es, meinen HbA1c nach einer eher schwankenderen Phase wieder zu halten und dann irgendwann wieder zu verbessern. Schritt für Schritt. Deswegen sehen wir uns in monatlichen Abständen, besprechen meine Sensor-Kurven akribisch, rätseln und reden einfach viel über mein Leben und meinen Alltag. Hier und da experimentieren wir gemeinsam mit mehr oder weniger Insulin oder versuchen mir Teile meiner Therapie einfacher zu gestalten, so dass es mir insgesamt leichter fallen würde, im Alltag gleichmäßigere Werte halten zu können. Bei unserem letzten Treffen fiel dann auf, dass ich, obwohl ich inzwischen zwei Mal pro Tag das Basalinsulin spritze und sonst alles gleichbleibend war, gerade meine Nachtkurven, aber auch die Kurven tagsüber unter Normalbedingungen einfach nicht gleichmäßig halten kann. Das NPH-Insulin hat einfach eine eher ungleichmäßige und kurze Wirkkurve und passt so nicht mehr zu mir und dem, was ich im Alltag benötige. Also überlegten wir hin und her und entschieden, ein neues Basalinsulin zu testen, welches eine andere, viel gleichmäßigere und längere Wirkkurve hat.

Und, wie zeigt es seine Wirkung?

Ich nutze das neue Insulin nun seit ungefähr zwei Wochen und bin hin- und hergerissen. Meine Kurve spinnt total und gleichmäßig gut war bisher eine einzige Nacht, die letzte nämlich. Das trübt die Stimmung natürlich erst einmal ungemein. Zwar bin ich wahnsinnig froh darüber, dass ich meine Kurven tatsächlich dank Sensor so genau verfolgen kann, um das jetzt so beobachten zu können. Teilweise kommt es mir nun aber sogar so vor, als wären meine Werte im Durchschnitt wieder schlechter als zuvor. Was ist da los? Sollte es nicht genau andersrum sein? Bin ich zu ungeduldig? Ich hab anstrengende Tage vor mir und möchte gerade meine Energie nicht unbedingt durch schlechte Blutzuckerkurven verlieren. Auch meine Schlafqualität leidet schon enorm unter den teilweise wirklich blöden Werten. Was ist also nun zu tun? Dranbleiben, weiter machen und beobachten? Dosis erhöhen und Unterzucker riskieren? Für Experimente habe ich in einer vollgepackten Woche, in der ich viel unterwegs sein werde wirklich keine Nerven. Unterzucker möchte ich soweit es geht vermeiden, also werde ich die nächsten Tage einfach noch weiter beobachten und hoffen, dass mein Körper einfach eine Eingewöhnungsphase braucht.

Wie läuft das bei euch ab, wenn ihr ein Insulin wechselt? Kennt ihr diese Erlebnisse auch?

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Mittwoch, 8. Februar 2017

Bewussteres Essen und Leben - 12 Punkte

Wir sind bereits schon lange im neuen Jahr angekommen. Na, wen von euch hat der Alltag schneller eingeholt, als ihm lieb ist? Wer isst in der Mittagspause seinen #saddesklunch wieder alleine vor dem Bildschirm, während die Arbeit weiterhin die Aufmerksamkeit braucht? Wer nimmt schon wieder den Fahrstuhl statt der Treppen?
Wer meinen letzten Post (den mit der Gif) aufmerksam gelesen hat, dem wird aufgefallen sein, dass ich im Moment zwar meine Diabetestherapie ganz allgemein verbessern konnte und mich über bessere Werte freuen darf (alles hart erarbeitet), aber sich das natürlich auch an der Lieblingsjeans bemerkbar macht. Wer nämlich lange Zeit mit eher bescheidenen Werten zu kämpfen hatte, verliert schneller an Gewicht, als er "Milchbrötchen" sagen kann. Und wenn's mit den Werten dann endlich wieder klappt, holt der Körper sich alles im Eiltempo zurück - und oft noch mehr, das berühmte Polster für schlechte Zeiten, ihr kennt das sicher.

Deswegen mache ich mir im Moment mal wieder sehr viele Gedanken um meinen Alltag und meine Ernährung (Oh, wie kann man ein Thema so lieben und gleichzeitig so hassen?). Denn wie ich schon im letzten Post schrieb: Egal, wie okay du mit dir selbst bist, wie body-positiv du dich durchs Leben kämpfst, wie sehr du versuchst, ein gutes Beispiel für andere zu sein: wenn die Lieblingshose kneift, ist das alles ganz schnell Nebensache. Denn schließlich ist es genau diese eine Hose, die immer, immer, immer so gut passte und die so natürlich nicht mehr hergestellt wird.

Viele Bücher habe ich über die Jahre schon zu dem Thema gewälzt und auf zu vielen Seiten im Internet recherchiert. Ich glaube nicht an Diäten und kurzfristige Erfolge oder ominöse Tipps um schneller Fett zu verbrennen. Schon gar nicht, wenn eine Diät mir Lebensmittel verbietet oder vorschreibt. Ich glaube an ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst und wenig bis keinen tierischen Produkten, wenn dann soweit es einem möglich ist von guter Qualität. Ich glaube an bewusstes Essen und bewusstes Leben. Ich glaube nicht an Verbote. Ich möchte keine Kalorien oder Punkte zählen. Schließlich ist das Thema Essen dank Diabetes sowieso schon mit zählen und Bewerten vergiftet. Und inzwischen gibt es auch genügend Studien zu all diesen Themen, die mich in meinem Glauben bestätigen.

Was mache ich also jetzt? Ich habe bemerkt, dass ich mich mit der Zeit, obwohl ich bessere Werte habe, vom bewussten Essen und Leben im Alltag ein wenig entfernt habe, und da können mir vielleicht viele von euch zustimmen. In der heutigen Zeit sitzt man halt mittags mal mit dem Handy über dem Schreibtisch-Mittagessen, rennt von A nach B, während man schnell den Snack in sich reinstopft oder vergisst, genügend Wasser zu trinken. Und ich habe jetzt entschieden, mich dem bewussten Essen und Leben wieder mehr zu widmen, um wieder ein besseres Gefühl für all das zu erlangen.

Es sind eben am Ende jeden Tages die kleinen Dinge, die ich mir aber doch oft im Alltag bewusst machen muss. Jeden Tag wieder. Die aber am Ende einen kleinen Unterschied machen können. Ich habe nachfolgend 12 Punkte versammelt, die euch alle bekannt sein dürften. 12 Punkte, die die meisten von uns im Alltag vielleicht oft ignorieren oder vergessen oder für die schlichtweg keine Zeit im stressigen Alltag ist. 12 Punkte, die wir uns immer wieder bewusst machen sollten. Denn du bist nicht nur, was du isst, du bist auch, wie du isst:

1. Regelmäßig essen, keine Mahlzeiten auslassen
Hunger macht unproduktiv und grummelig, der Körper schaltet auf Sparflamme und das Gehirn kann nicht richtig arbeiten. 

2. Saisonal und regional bevorzugen, die eigene Geschmacks-Palette vergrößern
Kauf mal ein Gemüse, mit dem du noch nie oder selten gekocht hast und experimentiere mit neuen Geschmacksrichtungen. Kulinarische Langeweile führt zu ungesundem Essen.
Grade zum Beispiel haben Feldsalat, Grünkohl, Schwarzwurzeln, Radicchio, Rosenkohl, Rote Beete, Steckrüben und Porree Saison.

3. Frühstück wie ein König

4. Nicht hungrig einkaufen, einen Einkaufszettel schreiben und sich daran halten

5. Mahlzeiten selbst zubereiten. Weniger Zusatzstoffe und Fertigessen. Wer unter der Woche keine Zeit hat, macht am Wochenende Meal-Prep. Mit 1-2 Stunden Vorbereitung kann man das Essen für eine ganze Woche vorbereiten.

6. Immer am Tisch essen. Keine Ablenkungen, denn die führen dazu, dass wir unser Sättigungsgefühl nicht spüren können und mehr essen, als wir benötigen. Kein Handy, keine Zeitung, kein Fernseher, kein Laptop. 

7. Gut und viel und langsam kauen. 

8. Viel Wasser trinken und das den ganzen Tag über. Eigenes Körpergewicht durch 30 ist etwa eine angemessene Menge pro Tag. Wer Wasser nicht mag, trinkt ungesüßte Tees oder macht sein Wasser schicker mit ein paar Zitronenscheiben und Minze, Gurke oder ähnlichem.

9. Treppe statt Fahrstuhl. Jeden Tag ein paar Schritte mehr gehen, weiter weg parken, eine Haltestelle früher aussteigen. 

10. Immer einen guten Snack in der Tasche haben, damit du bei plötzlichem Hüngerchen nicht gezwungen bist, dir Mist im Kiosk zu kaufen.

11. Vielfältig, verschiedenes und in angemessenen Portionen essen. Mehrere kleine Portionen führen am Ende auch zu sattem Gefühl. Es ist, als würden wir zu Hause "3-Gänge-Menü" spielen. Eintönigkeit führt zu Langeweile führt dazu, dass wir anders befriedigt werden müssen: nämlich mit Masse.

12. Mit allen fünf Sinnen essen. Riechen, schmecken, sehen, fühlen, hören. Genießen.



Freitag, 6. Januar 2017

Neues Jahr - alles anders?

Moin!

Ich habe lange überlegt, was ich in meinem ersten Post im neuen Jahr hier schreiben möchte. Und dann hab ich doch alles wieder umgeworfen. Der erste Text des Jahres wird also ein etwas unstrukturierter, aber wenn es euch interessiert, könnt ihr ja dran bleiben. Um was es heute gehen soll? Ich weiß es auch noch nicht so hundertprozentig.

Seid ihr denn gut ins neue Jahr gekommen? Ich war über die letzten und ersten Tage in Hamburg und bin diese Woche wieder in Berlin angekommen. Wobei... ankommen würde ich das noch nicht nennen. Ich hatte noch keinen erholsamen Schlaf im neuen Jahr und irgendwas ist komisch, ich kann aber noch nicht genau sagen, was. Oh, da fällt mir ein, ich muss mir grade mal eben einen neuen Sensor setzen. Moment bitte...
So, das ist schon besser. Weiter geht's.
2017. Neues Jahr, alles anders? Naja, ich glaube nicht. Denn das Leben hält sich ja oft gar nicht an Jahre, Wochen oder Tage. Dem Leben ist es halt einfach total egal, ob grade Mittwoch oder September ist. Von daher wird nicht automatisch alles anders, nur weil sich für uns die Jahreszahl geändert hat. Trotzdem wird 2017 ein spannendes Jahr werden, vor allem, weil es den Geschehnissen von 2016 folgt. Und das war schon ein absolut verrücktes Jahr.

In 2016 habe ich unglaublich viel gelernt. Über mich selbst, über andere Menschen, über meinen Diabetes, die Welt, Zusammenhänge. 

- Ich habe mich von einigen Menschen verabschiedet. Und das ist okay. Ich hab einfach nicht die Kraft, für Leute da zu sein, die das nicht wertschätzen können. BAM.
- Ich habe meine Diabetestherapie verbessert und meinen HbA1c senken können. Endlich. Das ist toll, aber auch ganz schön scheiße. Warum, bist du bescheuert?, denkt ihr vielleicht jetzt. Naja, ja, ein Bisschen vielleicht. Zumindest gebrandmarkt von einer schlankheitsbesessenen Welt. Wer sich nicht gut um seinen Diabetes kümmert, nimmt automatisch ab, ihr wisst warum, ich muss die zusammenhänge an dieser Stelle nicht nochmal erklären. Wer sich wieder besser um seinen Diabetes kümmert, nimmt dann schnell wieder die verlorenen Kilos zu. Warum, muss ich an dieser Stelle hoffentlich auch nicht erklären. Wenn ihr euch mit Diabetes auskennt und durch eine Diagnose gehen musstet, ist euch das vermutlich bekannt. Ansonsten gehe ich da an anderer Stelle nochmal drauf ein. Zunehmen fühlt sich selten gut an. Egal, wie sehr du dich mit dem Thema Body Positivity auseinandersetzt, wie gut du dich an manchen Tagen fühlst, wie sehr du mit deinen Freund*innen über das Thema sprichst - es fühlt sich scheiße an, wenn die Lieblingshose kneift. Und so toll das auch ist, dass mein HbA1c besser ist und ich mich um meine Gesundheit kümmere und alles besser wird, das alles ist am Ende ein großer, großer Haufen Scheiße fürs Gehirn und die Psyche. Danke Welt.
-Ich habe sehr viel an mir gearbeitet, vielleicht in diesem Jahr zum ersten Mal so aktiv wie nie. Und das war gut.
-Ich habe es geschafft, mich mit Dingen und Menschen zu umgeben, die mir gut tun.
-Ich habe endlich wieder mehr geschrieben, hier und auch an anderer Stelle. Nachdem 2015 ein richtig schlechtes Jahr für mich war (und man das überall gemerkt hat), ging es 2016 wieder langsam und allmählich mehr bergauf.
Trotzdem schreibe ich nach wie vor weniger, als in den ersten Jahren des Blogs. Woran das liegen könnte, habe ich mich sehr oft gefragt. Irgendwie hab ich das Gefühl, "wir" hier in der Community schreiben alle weniger, als zum Beispiel noch vor zwei Jahren. Schade ist es, keine Frage. Aber so wirklich erörtern wieso, das konnte ich noch nicht. Ist das der natürliche Verlauf eines Blogs? Gehen die Themen aus? Kommt der Alltag immer wieder dazwischen? Eins weiß ich: Ich würde gerne wieder mehr von euch, von uns lesen. Ich vermisse die Stimmung von damals und was sich hier online alles zusammenfand. Wo ist das die letzten Jahre hinverschwunden? Vielleicht habt ihr ja die eine oder andere Idee. Und habt ihr das ähnlich empfunden?

Ich habe noch so einiges anderes gelernt, zum Beispiel, wie man Palak Paneer kocht, aber das sprengt an dieser Stelle vielleicht den Rahmen. Stattdessen hoffe ich einfach, dass ihr auch einiges Neues gelernt habt im letzten Jahr, weil sonst wär's ja wirklich langweilig.

Ich lass das alles hier mal so stehen.
Bis bald! Dann auch wieder strukturierter, versprochen! x