Diabetes Typ 1?

Diabetes Mellitus Typ 1 ist, anders, als ein Nichtdiabetiker das vielleicht im Kopf hat, eine Autoimmunkrankheit, bei der der Körper die insulinproduzierenden Inselzellen zerstört bis keine mehr da sind und so kein Insulin mehr produziert werden kann. Grob gesagt ein Fehler im System, der den Körper denken lässt, dass jene Inselzellen Angreifer sind. Dies hat zur Folge, dass die Energie, die man mit der Nahrung aufnimmt, nicht in die Zellen des Körpers gelangen kann und zu viel Zucker im Körper ist. Die Selbstregulierung des Blutzuckerspiegels ist gestört, es muss das Hormon Insulin gespritzt werden, welches dann den Blutzucker senkt, da es den Zucker in die Zellen bringt (Schlüssel-Schloss-Prinzip).
Was ein Nichtdiabetiker meist generell mit dem Begriff Diabetes verbindet, ist der Typ 2. Hier wird vom Körper Insulin produziert, die Zellen werden nicht als Angreifer behandelt. Das Problem ist vielmehr, dass eine Resistenz des Körpers gegen das produzierte Insulin entwickelt wurde. Insulin ist also vorhanden, es wird nur vom Körper nicht richtig verarbeitet. Diese Form des Diabetes ist im Gegensatz zum Typ 1 reversibel und kann oft gut durch einen Lebenswandel mit mehr Bewegung und ausgewogener Ernährung behandelt werden. In anderen Fällen greift man zu Antidiabetika oder einer Insulintherapie.

Die Behandlung meines Diabetes ist nicht damit getan, dass ich mir ab und zu in den Finger piekse, um den Blutzucker zu messen, und mir danach eine Spritze setze, es ist so viel mehr. Diabetes Typ 1 ist ein zusätzlicher Fulltimejob, dessen Bezahlung das Wohlfühlen im eigenen Körper ist. Und auch wenn ich mein Leben nicht von der Krankheit bestimmen lassen möchte, muss ich jeden Tag aufs neue bei dem Job antreten und mein Bestes geben. Als Diabetikerin musste ich lernen, besser auf meinen Körper zu hören. Ich muss mich unweigerlich mehr mit meiner Ernährung beschäftigen. Immer die Fragen: Wie viele Gramm Kohlenhydrate können jetzt in meinem Essen sein? Wie viel Fett und Eiweiß ist enthalten, und ist die Menge groß genug, als dass sie später eine Auswirkung auf meinen Blutzucker haben kann? Was spritze ich dafür in Relation zu meinem Insulinverbrauch und meinem aktuellen Blutzucker?
Und nach dem Essen: Hab ich genug gespritzt? Oder war das jetzt vielleicht zu viel?
Beim Sport: Ist mein Blutzuckerwert niedrig/ hoch genug, als dass ich jetzt mit Sport loslegen kann? Muss ich vor dem Sport noch was Süßes essen?
Nach dem Aufstehen/ vor dem Zubettgehen: Ist der Nüchternblutzucker in Ordnung? Kann ich mich mit diesem Wert schlafen legen?
Bei Schummrigem Gefühl: Ist das Unterzucker? Schnell was essen, dann messen.
Bei Durst: Wie hoch ist mein Blutzucker? Könnte ich Insulinmangel und daraus resultierend eine Ketoazidose haben? Und wenn ja, warum?

All diese Fragen, und glaubt mir, noch viele viele mehr, stellt man sich so im regulären Diabetikeralltag, versucht sich selbst zu antworten und bestmöglich abgestimmt auf den eigenen Körper zu handeln. Das funktioniert oft, nicht immer. Wenn ich von anderen höre, dass man mit Diabetes gut leben kann, wenn man KORREKT eingestellt ist, muss ich ein Bisschen kichern. Schön, wenn man sich selbst so gut kennt und der Alltag so regelmäßig ist, dass man sagen kann, dass man perfekt eingestellt ist. Das ist aber eher nicht der Regelfall. Der eigene Körper ist keine Maschine, auch das genaustens geschätzte Essen kann heute eine andere Wirkung auf den Körper haben, als gestern.


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