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Donnerstag, 8. August 2013

"WAAAS? 4 BE???" - Es NERVT mich!

Tach Welt!

Heute muss ich mich nochmal über etwas aufregen. Die Gedanken hierzu beschäftigen mich schon relativ lange.
Ich weiß gar nicht mehr, wann ich zum ersten Mal drüber nachgedacht habe. Aber ein Auslöser dafür, dass es mich endgültig nervt, war sicherlich eine Schulungsstunde vor einigen Wochen. Das trug sich so zu:

Die Diaberaterin hielt uns nacheinander Bilder von Essen auf Tellern vor die Nase und wir überlegten, wie viele BE's sich auf den Tellern befanden.  Oft sagte sie sowas wie: "Und hier jetzt was richtig Sündiges...." oder Ahnliches. Und es entstand eine Unterhaltung über Kalorien und wer was nicht isst und wer wann wo Süßstoff reinmacht etc.
Vorher hat man doch auch alles einfach so gegessen. 
Ich begann zu überlegen. Ist das Essen, das BE hat, plötzlich böse geworden?


Die Frage stellte ich in meine Schulungsrunde, und alle verneinten. Und TROTZDEM fingen ALLE kurz darauf wieder an, das Verhalten an den Tag zu legen. Sündig, weil BE, iieh sowas esse ich nicht, ... Ich war ganz verblüfft und konnte gar nichts mehr sagen.

Weiter las ich ähnliches in diversen Diabetes-Facebook-Gruppen. "Hat jemand ein Rezept für LOW CARB Waffeln?" etc.
Ich muss oft darüber nachdenken, ob die Zahlen, die wir unserem Essen nun zuordnen, es mies machen. Und wenn ja, wieso lassen wir es uns mies machen? Wieso sollte ich nie wieder den echten Geschmack einer Waffel haben dürfen nur damit ich weniger spritzen muss?

Eigentlich bin ich noch nie zusammengezuckt, wenn ich gehört habe, was wieviele BE's hat. Ich glaube, ich hab ein ganz gutes Verhältnis zu essen. Oft probiere ich viel aus, koche und mache alles selbst.  Und essen tu ich natürlich auch gern. Deswegen schmerzt mich dieses Verhalten vielleicht so sehr.

Vielleicht könnt ihr mich da aufklären? Ich meine, immerhin KÖNNEN WIR ALLES ESSEN. Warum also Angst davor haben, weil plötzlich Zahlen dabeistehen???

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14 Kommentare:

  1. Hi Tine!

    Alsoooooo. Ich durftest früher alles essen, und du darfst auch mit Diabetes alles essen. Und wenn die Pizza 10 BE hat, dann hat sie eben 10 BE!
    Heute muss man als Diabetiker auf nichts verzichten. Man muss halt ein wenig Erfahrungen sammeln wie sich was auf den BZ auswirkt. Mehr aber auch nicht. Und das BE schätzen, das wird ganz schnell zum Alltag.
    Wenn ich daran denke, damals vor 20 Jahren....feste Essenspläne. Bestimmte Menge zu bestimmten Zeiten und nur scheußliches Zeug.
    Nicht umsonst werden Diabetiker Lebensmittel vom Markt verbannt. Deutschland ist übrigens das einzige Land, in dem es so etwas überhaupt gibt/gab.
    Und lass dich nicht beirren wenn in irgendwelchen Diabetes Gruppen ein Schokoriegel geposetet wird mit dem Kommentar "Heute sündige ich mal". Völliger Käse! Das ist genauso überflüssig wie der Satz "TROTZ Diabetes mache ich xy....".
    Essen nimmt einen großen Teil im Alltag ein, bei uns Diabetikern ganz besonders. Darum sollten wir es uns auf keinen Fall zum bösen Etwas machen. Essen ist nicht Böse, Essen ist Leben. ;) Und Essen ist geil!

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    1. Danke!!!! So seh ich das halt eigentlich auch :D nur verunsichern mich diese komischen Menschen! Ab jetzt sollte ich das lassen. Nimmt nur den Spaß am Essen, weil...du hast Recht, Essen ist geil! :D

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    2. Kann mich da Ilka auch nur anschließen! War nach meiner Diagnose zwei Wochen in einer Klinik (Bad Bevensen), die mir einen richtig strengen Diät-Plan aufgestellt haben, mit dem Kommentar: "lebenslang, kein Sport mehr, möglichst regelmäßiges Leben, keine große Aufregung, Stress meiden, 5 BE"... Wie soll das gehen? Wohlbemerkt ich war 14! Das ganze hat dazu geführt, dass ich eine Essstörung davon getragen und nur noch 38 Kilo auf den Rippen hatte. Die Klinik wurde geschlossen. Lag auch daran, dass Patienten nach deren Entlassung entweder unter Depressionen und/oder Essstörungen litten. Zum Glück habe ich das alles wieder in den Griff bekommen, dank eines guten Arztes und einer Selbsthilfegruppe, die mir klar gemacht hat "hey, das Leben mit Diabetes ist nicht schlimm, du kannst Spaß haben, Essen worauf du Lust hast,... nur halt immer mit wachsamen Auge auf den Blutzucker"...

      In diesem Sinne lass es dir schmecken :). Hör auf Ilka ;D. Man lebt nur einmal... also genießen wir es doch :). Machen das beste draus.

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  2. Ich seh das eigentlich genauso wie Ilka und die Leute, die bei FB kommentiert haben :)
    Muss aber zugeben, das ich seit einiger Zeit von diversen Sachen die Finger lasse. Klar, kann ich theoretisch alles Essen was ich will, mach' ich auch gerne mal. Und was du hier beschreibst finde ich auch absolut bescheuert. Immer dieses "Heute sündige ich mal", wie Ilka es beschrieben hat, ist total dämlich. Die Bezeichnung "sündigen" kann ich verwenden, wenn ich auf Diät bin und mir das ausnahmsweise nicht gönne. Oder Lactose-Intolerant :D
    Da ich aber zB versuche ein wenig Abzunehmen, geh' ich schon eher richtung Low Carb. Inzwischen hat mein Wunsch nach Insulinreduktion (Einerseits weil es gut ist zum Abnehmen, andererseits weil es mir eigentlich absolut missfällt täglich an die 100 iE Insulin abzugeben. Und weil der Pod das nicht mitmacht, passt ja nicht genug rein :D) einfach einen höheren Stellenwert als das "ich will/kann alles essen".
    Ich glaube Low Carb Essen ist ein bisschen vergleichbar mit der Entscheidung zB Vegan zu leben. Man verzichtet halt auf Sachen und ist zufrieden. Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis sind eigentlich weitgehend von meinem Speiseplan verschwunden.
    Aber wie gesagt, Carbs als "sündigen" zu bezeichnen oder so ist einfach totaler Mist. Gibt auch ein völlig falsches Bild!

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    1. Ja, hier wollte ich auch nicht über Low Carb als Ernährungsumstellung zum Abnehmen, sondern wirklich über die Angst, die manchen anscheinend die BEs plötzlich machen, reden.
      Da hast du natürlich Recht. Wer das wirklich als Ernährnungsumstellung durchzieht und abnimmt find ich gut. Ich probier mich ja selbst irgendwo zwischen Alles-Esser und Veganer Ernährung aus.

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  3. das problem ist, dass viele typII leute z.b. tabletten nehmen und nicht spritzen, aber trotzdem alles essen ohne diät zu halten, da sind diese 'das sind böse BEs' aufzählungen recht wichtig.
    früher gabs es auch kein schnell wirkendes insulin.
    -als ich damals eingestellt wurde, musste ich quasi morgens um 7 schon planen, was ich die nächsten 6stunden essen wollte/musste, hatte ich dann keinen hunger, hatte ich das unterzuckerungsproblem, hatte ich mehr hunger, hatte ich pech gehabt.
    das war besonders unpraktisch an der uni, wenn man keinen geregelten tag hatte mit mittagspause immer zur selben zeit etc.
    und man muss auch bedenken, dass gerade typII leute heftig zunehmen können und daher ihre BEs beachten müssen.
    bei typI find ich das aber quatsch -und bin froh drüber!
    wenn ich hunger auf chips habe, dann ess ich sie, wenn ich pommes will, dann ess ich sie statt mir faden gedünsteten reis anzutun.
    durch das schnellwirkende insulin fühl ich mich viel freier und diabetes ist keine last mehr.

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    1. ja daa Stimmt natürlich. Einer meiner Profs ist Typ2 und mit dem hatte ich schon die eine oder andere Unterhaltung über Ernährung. Dass ich diesen Punkt weggelassen habe, liegt einfach daran, dass ich nicht sehr viel Ahnung von der Behandlung von Typ2ern habe und dann nicht so viel drüber schreiben mag. Bei Typ2 versteh ich das absolut. Aber wenn Typ 1 er damit anfangen, vor Essen Angst zu haben, weil es BE hat, hört der Spaß halt auf.
      Das ist toll, dass du die Revolution mit Schnellwirkendem Insulin mitbekommen hast und zu schätzen weißt. Ich kenn die Stories ja nur von Erzählungen, aber jeder, der da mitmachen musste damals, hat meinen vollen Respekt!

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  4. Da möchte man doch laut "Stop Bullshitting me" schreien :-) Oh je, lass dich da bitte nicht verrückt machen. Das Einzige, dass sich für mich seit der Diagnose verändert hat ist das Bewusstsein über die Tatsache, dass von nun an die Funktion der Bauchspeicheldrüse vom Gehirn mit übernommen werden muss. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Unser Körper bezieht nun mal seine benötigte Energie aus der Glukose im Blut. Und dieser Treibstoff muss ja auch irgendwie da hinein kommen. Um so besser wenn es dabei auch noch schmeckt. :-) Naturgemäss liefern unterschiedliche Nahrungsmittel auch unterschiedlich viel Treibstoff. Solange du weisst was Du isst und mit welcher Menge Insulin du es abdecken musst ist alles gut. Es braucht sicherlich seine Zeit bis man den Dreh raus hat. Aber ich habe ein ähnliches Verhalten in meiner Schulung damals auch beobachten können. Vielleicht resultiert das einfach aus einem gewissen Übereifer, den man gerade kurz nach der Diagnose gern mal an den Tag legt. You can eat erverything !! Essen ist geil ... und sündigen auch :-)

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  5. Ist halt historisch bedingt, nicht umsonst hießen die BE ja früher Austauscheinheiten, d.h. fester Ess- und Spritzplan, Menge BE fest vorgegeben, also auch an einer Stelle sparen um mal zu "sündigen", sprich, mal das zu essen was man wollte.
    Ist für die meisten Typ1er zum Glück Geschichte, trifft aber Typ2er, die nicht mit intensivierter Therapie/Bolusinsulin behandelt werden. Ich hab in meiner Schulung genug erlebt, die nicht rechnen wollten und lieber nach starrem Schema essen und spritzen wollten. (Warum???)
    Und bei Behandlung nur mit Tabletten natürlich auch, weil keine mahlzeitenspezifische Dosierung möglich ist.
    Anyway, Es kommt immer auf die gesunde Mischung an, ganz egal ob mit oder ohne Diabetes! Hat sich nur leider noch nicht überall rumgesprochen.
    Und schließlich:
    Wenn du alles weglässt, was dir Spaß macht, lebst du zwar wahrscheinlich nicht länger, es kommt dir aber wesentlich länger vor :-(
    In diesem Sinne
    LG
    Lutz

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  6. Ich finde, dass dabei noch eine Kleinigkeit erwähnt werden sollte. Es stimmt, dass ein Typ1er heutzutage essen kann, was er/sie will, und das ist auch gut so. Trotzdem sollte man ein gewisses Bewusstsein entwickeln, wie viel KHs überhaupt gut für einen sind. Und das gilt nicht nur für Diabetiker, sondern für JEDEN von uns. Damit meine ich: wenn ein Diabetiker heute eine fette Pizza essen will, für die er sonst wie viel Einheiten spritzen muss, dann soll er das auch machen, ohne weitere darüber nachzudenken. ABER: Sollte es für ihn zur Gewohnheit werden, das jeden Tag zu tun, frei nach dem Motto: "ich darf ja essen, was ich will!", dann werden diese BEs schon irgendwo zu "bösen" BEs, doch das hat absolut nichts mit dem Thema Diabetes zu tun, sondern etwas mit gesunder Ernährung. Von daher gehören Diskussionen über Kohlenhydrate-Mengen nicht in Diabetes-Schulungen, sondern eher in ErnährungsBeratungen. Dein Ärger in dieser Situation ist also vollkommen verständlich.
    Ich selbst kann aus zwei Sichtweisen sprechen, da ich selber kein Dia hab, jedoch der "Dia-Manager" meines kleinen Sohnes (7) bin. Und ich muss zugeben, dass ich, seit ich jeden Tag Einheiten für meinen Kleinen berechnen muss, auch bei mir öfters darüber nachdenke, ob ich selber ein Glas zuckerhaltige Limo trinke oder mir eine Tasse Tee mache. Einfach in dem Wissen, weil es gesünder für mich ist.
    Mein Fazit zum Thema: Angst vor bösen BEs definitiv NEIN, bewusster Umgang mit den BEs, sprich gesunde Ernährung, JA, und zwar nicht nur für Diabetiker, sondern für ALLE. Liebe Grüße und alles Gute.

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  7. Hi!

    Natürlich gebe ich euch mit all euren Kommentaren recht: Man sollte sich so ernähren, wie man sich sonst auch ernähren würde, und "böse" sind BE's sicher nicht. Man muss sie halt nur richtig kalkulieren und dann halt dafür spritzen - "nur". Mich stellen große Mengen BE beim Spritzen auch nach 18 Jahren Diabetes immer noch vor Herausforderungen - bei mehr als 6 BE muss ich den Bolus z.B. teilen oder verzögern, aber um wieviel kommt natürlich auch darauf an, was ich esse, und wenn ich den Bolus verzögere kann ich danach länger keinen Spziergang machen ohne das mich das Restinsulin in eine Hypo treibt etc., etc... Ihr wisst schon was ich meine. Natürlich geht es, und ich mache es auch, aber manchmal ist es eben echt kompliziert. Vor allem, wenn man dann das Essen auch noch schätzen muss, und gar nicht so recht weiß, wieviele KH man da eigentlich gerade auf dem Teller hat.
    Da versteh ich schon, warum es Diabetiker gibt, die auf nicht unbedingt nötige KH lieber verzichten. Oder warum ich mich manchmal ärgere, wenn ich gerade für 4 BE Kuchen gegessen habe, der echt nicht so gut geschmeckt hat ("not bolusworthy"), meinen BZ aber leider trotzdem himmelhoch treibt. Softdrinks oder Saft? Vor jedem Glas 'ne Viertelstunde Spritz-Ess-Abstand abwarten? Danke, ohne mich. Da trink ich lieber Wasser.

    A propos was völlig anderes: Schönes Blog!

    LG
    Vera

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  8. Hallo Tine, bin gerade durch Steffs Blog auf dich aufmerksam geworden und bei diesem Beitrag hängen geblieben. Bin seit Juni 2012 mit meinem "Freund" zusammen und habe die erste Zeit auch alles vermieden was viele BE/KEs hat. Macht aber nur unglücklich und irgendwann kam der Moment als ich mich damit abgefunden habe, dann halt mal mehr spritzen zu müssen. Die Nadel muss ja eh in die Haut. ;)

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