Seiten

Samstag, 23. August 2014

Freitagnachtgedanken

© Rüdiger Beckmann, pixelwelten.de
Es ist Freitag und ich besuche im Moment meine Mutter (Hallo Mama! Ich weiß, dass du das liest.) in meiner alten "Heimat". Das Wort in Anführungszeichen. In den letzten 4 Jahren hat sich hier viel getan und alles ist mir fremder als zuvor. Es gibt hier zum Beispiel plötzlich eine Stadtbahn und die hat auch noch Toiletten drin. Wenn ich da an die S-Bahnen in Berlin denke... 

Hier mit Diabetes im Gepäck zu sein ist komisch, weil ich hier nie mit Diabetes gelebt habe. Das letzte Mal war ich hier im Februar 2013, kurz vor meiner Diagnose, mit viel Durst und einigen Kilos weniger, den Symptomen wegen. In diesen Tagen hier habe ich viel Zeit zu reflektieren und über einiges nachzudenken. Und dann ist plötzlich Freitagnacht und ich beginne zu schreiben.

 

Vor rund 18 Monaten hat sich mein Leben komplett auf den Kopf gestellt.
Ich bekam die Diagnose Diabetes Typ 1, ich war 22 Jahre alt.
Ich hatte Panik, habe aufgehört das zu tun, was ich liebe. Ich begann, über Diabetes zu schreiben, habe versucht, neu anzufangen und die Krankheit so schnell es geht zu akzeptieren und das Monster in mein Boot zu holen. Und das hat auch soweit gut geklappt.

Nach einem halben Jahr mit Diabetes ging ich spontan nach Hamburg. Es war schön zu sehen, dass man mit Diabetes spontan sein kann! Ich habe viel gearbeitet, viel Neues gelernt, mich selbst besser kennen gelernt und hatte auch noch verboten viel Spaß dabei. Ich habe entschieden: Nichts, was in dieser Zeit passiert ist, möchte ich heute missen. Eigentlich waren nur drei Monate für Hamburg eingeplant. 
Ich blieb 10, und das war gut so.

Jetzt bin ich offiziell zurück in Berlin und versuche langsam wieder in den Studentenalltag zu finden, meinen Schreibtisch aufräumen, Hausarbeiten schreiben und mich mental darauf vorbereiten, dass ich bald wieder dieses Ding Namens Fotografie machen möchte/ will/ soll/ versuche - etwas, was ich mein ganzes Leben lang liebte und immer noch liebe. Dennoch,... Seit eineinhalb Jahren habe ich keine ernsthafte Fotografie betrieben. Für mich und auch für die Fotografieszene ist das eine verdammt lange Zeit. Da, wo meine Mitstudenten sich endlich gefunden und voll in ihrem fotografischen Ding ausgelebt haben, habe ich mich komplett aus allem herausgenommen. Ich habe vermieden darüber zu sprechen und darüber nachzudenken, so gut es ging. Ich habe es verdrängt, bis jetzt. Mir fehlen eineinhalb Jahre Fotografie, fotografische Prozesse. Und genau da, wo ich eigentlich dachte, ich wäre persönlich auch erstmal "fertig", musste ich mich auf etwas komplett Neues einstellen.
Mann, ich sehe mich im Moment noch nicht zurück an der Uni im Oktober. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich wieder so sehr, mit ganzem Ich, auf die Fotografie konzentrieren kann, wie früher. 
Ich habe viel gewonnen, aber ich habe auch viel Zeit verloren in den letzten Monaten. 


Ich hoffe, ich kann all diese Panik, Zweifel, Gedanken in irgendetwas Gutes verwandeln und damit etwas kreieren, was das Anschauen wieder wert ist, denn ab Oktober geht es in die Endphase. 


Achso, und dabei die Werte im Auge behalten wäre nett.
Oh mann.



x

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen