Montag, 18. August 2014

Hug your monster!

Moin zusammen!

Letzten Freitag habe ich mich mit der lieben Janina zum Essen getroffen. Jetzt, wo ich wieder in Berlin bin, kann ich mich auch wieder der DOC on- und offline hier widmen und einige sehen, für die ich lange keine Zeit hatte. Das tut gut!
Janina ist eine sehr positive Person, die mich mit ihren Worten immer zum Nachdenken anregt und so war es auch am Freitag. Wir unterhielten uns über Motivation und Diabetes und Janina hat einen Satz zu mir gesagt, der mich seit dem nicht mehr losgelassen hat:

"Setz dich zu deinem Monster ins Boot und höre auf, gegen den Diabetes zu kämpfen!" 

Und wie Recht sie damit hat!



Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunkrankheit, die uns vermutlich unser Leben lang begleitet. Das wissen wir. Warum also sollten wir gegen die Krankheit ankämpfen? Warum gegen etwas ankämpfen, was seit der Diagnose ein Teil von uns geworden ist? Warum sollten wir gegen etwas kämpfen, was wir nicht loswerden können?

Ich habe in den letzten Monaten mit so vielen Diabetikern gesprochen, geschrieben, die permanent das Gefühl haben, sie müssten gegen ihren Diabetes kämpfen. Meist geht es ihnen damit nicht mal gut. Das dauerhafte Ankämpfen führt zu enormem Stress im Körper, Panik, was sich wiederum im ganzen Körper bemerkbar macht und auf die Werte, die Wirkung des Insulins und noch ganz andere Dinge anschlägt. Warum also nicht mal was Neues versuchen, sich mit dem Diabetes in ein Boot setzen und zusammen den Fluss runterfahren? Warum den "Feind" nicht umarmen und ihn auf seine Seite ziehen, um ihn für sich arbeiten zu lassen? Warum nicht ein Team mit dem Diabetes bilden, sich gegenseitig kennen lernen und gemeinsam stärker werden?
Keiner Verlangt von euch, dass ihr den Diabetes gar toll oder cool finden sollt. Diabetes ist eine der einzigen Krankheiten, bei der sich die Patienten selbstständig ihr Medikament verabreichen, wobei sie die Menge vorher allein berechnet haben, und bei falscher selbstständiger Dosierung kann es fatale Folgen haben. Eine ernstzunehmende Krankheit, die bei inkorrektem Umgang massive Folgeschäden am Körper verursachen kann.
Aber wir sollten von dem Gedanken abkommen, dass wir Einzelkämpfer sind, die mit Schild und Schwert den Diabetes unbedingt bekämpfen müssen. Stattdessen Freundschaft mit dem Ding schließen und zusammen versuchen, an guten Werten zu arbeiten. Loswerden klappt eh nicht mehr. Diabetes hängt an dir und lässt dich nicht mehr los.

Ich sage bewusst "an guten Werten arbeiten". Denn nur, weil man seine Krankheit mit ins Boot holt, wird das nicht automatisch etwas ändern. Aber es kann euch leichter fallen, an eurer Therapie zu arbeiten, weil ihr nicht mehr ständig gegen euch selbst ankämpfen müsst. Es kann euch ein besseres, leichteres Gefühl geben und vielleicht sogar eure Motivation steigern, der Stress lässt nach und vielleicht lernt ihr euch selbst noch besser verstehen.

Hug your Monster! Ihr könnt damit nur gewinnen.
#diabrofist


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Kommentare:

  1. Wunderbar! Ich frag mich schon das ganze letzte Halbe Jahr wie ich meiner Kleinen erklären soll , dass sie kein Monster in sich hat und dass es einfacher ist, wenn man seinen Körper und vor allem sich selber lieb hat, auch wenn er nicht vollkommen ist.
    Man kann doch nicht ein Leben lang gegen etwas rebellieren. Auch nicht, wenn man eine Lähmung hat, eine Amputation oder eine Brandnarbe. Ihr seid doch deswegen nicht etwas völlig anderes und ihr seid auch nicht zwei :-)
    Ich freu mich auch lieber über die guten Werte, als über die schwierigen lange rum zu lamentieren. Wenn ich es ändern kann, ändere ich es und wenn nicht, dann nehmen wir es so hin.
    Ich hab zur Zeit meinen Job aufgegeben, u.a. für die Kleine. Aber wir haben gerade einen tollen Sommer und ich freu mich, wenn das Lachen und die Fröhlichkeit zurück kehren und sie wieder Spaß am Essen bekommt, das kann kein Geld der Welt aufwiegen.
    LG vom Deich
    Claudia

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  2. Hallo,
    da hast du ein sehr wichtiges Thema aufgegriffen.
    Den Diabetes als Teil des eigenen Lebens zu akzeptieren und mit ihm zu leben, ist sicher eine lebenslange herausfordernde Aufgabe. Und ich finde deine Bemerkung
    „Warum nicht ein Team mit dem Diabetes bilden, sich gegenseitig kennen lernen und gemeinsam stärker werden?“ richtig gut und treffend.
    Ebenso wahrzunehmen, dass du nicht allein mit dieser Krankheit bist, dass du dich mit anderen darüber austauschen kannst.
    Bleib dabei und such dir Unterstützung, wenn du sie brauchst. Diese kann jeder, ob Diabetiker oder nicht, immer wieder gut gebrauchen.
    Alles Gute! Dr. Monika Mulert

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  3. Dem kann ich mich nur anschließen!!!:D
    Ich versuche oft mir klar zu machen, dass der Diabetes nicht mein Feind ist, sondern eine Art besonderes Merkmal oder auch ein "Defekt" an meinem Körper ist, und ich muss ihm helfen, dass es uns (also mir und dem Körper ;) ) gut geht. Nur so bekomme ich nicht ständig stress, den ich sowieso schon eher bekomme, da ich manchmal (zu) viel Ehrgeiz habe, und danach total K.O. bin...

    Ein Toller Beitrag jedenfalls!
    LG & #diabrofist

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  4. als Mann mit 30 Jahren Typ I kann ich nur sagen: sei pragmatisch, und nimm es, wie es ist, es läßt sich nicht ändern. Wir können unser Leben mit Typ I ständig verbessern, wir lernen viel und wir ernähren uns viel gesünder und bewusster und zuckerärmer als der Durchschnitt. Das erhöht die Lebenserwartung! Und einer noch zur viel zu häufig anzutreffenden Hypo-Sorge/Panik/Angst: Kennt und genießt denn keiner außer mir diese Gefühlsmischung von high sein, mir gelingt alles, das Leben ist geil in der Phase mit einem BZ zwischen 45 und 60, was ich als leichte Unterzuckerung definiere?????? In diesen Momenten wird (bei mir zumindest) der Gefühlszustand euphorisch oder übertrieben, im Guten wie im Schlechten. Und da ich mich mehrheitlich gut fühle, führt die Übertreibung des Guten Dank Hypo zu SEHR schönen Gedanken/Gefühlen/Erlebnissen. Das gelingt doch nur Diabetikern, oder???? Enjoy life, even more with diabetis! DIES IST KEINE AUFFORDERUNG, ABSICHTLICH HYPOS HERBEIZUFÜHREN (es passiert sowieso)!

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