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Mittwoch, 20. November 2019

Tag 20 - Für die Berichterstattung habe ich leider heute keine Rose

-Dieser Text enthält unbeauftragte, unbezahlte Markennennung-

Ich wusste bis heute morgen gar nicht, dass der Ex-Bachelor Daniel Völz Typ 1 Diabetes hat und sogar einen Sensor trägt. Diese Info tauchte in den letzten Tagen öfter in Zusammenhang mit dem Bachelor-With-Diabetes-Video von Myabetic auf. Das kurzweilige Video ist ziemlich voll mit Diabetes-Insidern.

Jedenfalls wurde in dieser Woche zumindest im deutschsprachigen Teil der Online-Community das Video oft in Zusammenhang mit der Information geteilt, dass es in Deutschland tatsächlich schon mal einen Bachelor mit Diabetes gab.

Daniel durfte im Jahr 2018 im deutschsprachigen Fernsehen Rosen verteilen. Vom Diabetes hat man damals aber so gar nichts gesehen. Auch als er später Kandidat bei Promi Big Brother war, wurde es nicht zum Thema gemacht und die Insulinpens anscheinend nur hinter der Kamera hervor geholt. Erst im Mai diesen Jahres hat er in der Öffentlichkeit darüber gesprochen und auch erwähnt, dass er einen Sensor am Arm trägt. Darüber wurde auf verschiedensten Plattformen dann sogar berichtet und inzwischen zeigt Daniel sogar Fotos von sich mit Sensor am Arm auf Instagram.



Ich kann verstehen, dass es zunächst nicht leicht ist, über den eigenen Diabetes zu sprechen, speziell auch wenn man in der Öffentlichkeit steht. Es braucht eine gewaltige Portion Mut. Das hat mit Sicherheit mit der großen Menge an Vorurteilen zu tun, die unsere Gesellschaft zum Thema Diabetes hat, die aber eben auch immer weitergetragen werden, weil in der Öffentlichkeit nicht viel darüber gesprochen wird. Trotz dieser Vorurteile und der Angst, abgewertet und bewertet zu werden, finde ich es extrem wichtig, dass Menschen mit chronischen Krankheiten, die sowieso schon in der Öffentlichkeit stehen, darüber sprechen. Wir brauchen hier dringend mehr Identifikationsfiguren mit Diabetes und Menschen, die ihre großen Plattformen nutzen.

"Unheilbare Zuckerkrankheit!", "Schwerer Diabetes!", "Nie wieder Schokoriegel!"

Die Art und Weise wie hierzulande immer noch über Diabetes in den Mainstream-Medien gesprochen wird, ist zumeist unter aller Kanone, wenn ich das hier mal so sagen darf. Wirklich gut gemachte Berichte mit korrekten Informationen und nicht-diskriminierender Sprache sind eine wahre Rarität. Leider. Ich habe das Gefühl, dass vielen Journalist_innen heutzutage oft die Zeit fehlt, sich wirklich mit den Krankheiten, über die man schreibt, auseinander zu setzen. Was aber dann dabei rauskommt, schafft keine Vorurteile aus der Welt. Und auch hier merken wir wieder, wie wichtig sowohl Sprache als auch Repräsentation beim Thema Diabetes ist.

Ich verweise seit Jahren auf das Projekt Leidmedien. Auf der Website finden Journalist_innen eine Fülle von Informationen, Hilfestellungen und Ressourcen die sie nutzen können, um diskriminierungsfrei über Menschen mit be_Hinderung und chronisch Kranke Menschen zu berichten. Wenn ihr entsprechende Texte und Artikel schreibt, und in einer ähnlichen Position seid, bitte ich euch: nehmt euch bitte die Stunde Zeit, um euch etwas ins Thema einzulesen. Klar ist das erstmal mehr Arbeit für euch. Aber nicht nur eure Texte werden davon extrem profitieren, sondern auch die Menschen, über die ihr dort schreibt und die Gesellschaft insgesamt. Seht das große Ganze.

Und Daniel, wenn du Bock hast auf ein Interview so von Mensch mit Diabetes zu Mensch mit Diabetes, dann sag mir Bescheid! 

Bis morgen!


Mittwoch, 11. Februar 2015

#trotzDiabetes

Wieso sollten wir uns in der Öffentlichkeit als Menschen mit Diabetes sehen, statt vielleicht als Diabetiker? Wieso wollen wir uns in den Medien nicht als "leidende Opfer" sehen und warum können wir reisen, schwimmen, essen MIT Diabetes und nicht trotz?

In den letzten Wochen habe ich aufmerksam die Nachrichten verfolgt und immer wieder Artikel gefunden, in denen Menschen mit Diabetes zum Beispiel als sportlich trotz und nicht sportlich mit Diabetes beschrieben wurden und habe daraufhin immer wieder begonnen, kleinere Diskussionen zu starten. Zwischen trotz und mit ist ein gewaltiger sprachlicher Unterschied, der vielen eher egal zu sein scheint, vor allem den Erkrankten selbst. So kleine Worte allerdings können einen journalistischen Artikel bereits in der Grundschwingung beeinflussen, was dann wiederum dazu führt, dass wir uns gemeinsam später online über Artikel aufregen, die zum Thema Diabetes in den öffentlichen Medien erscheinen. Und die Spirale geht von vorne los.

Wir müssen bei uns selbst anfangen

Eine mögliche Lösung des Problems könnte es sein, wenn wir bei uns selbst anfangen und unseren Sprachgebrauch und unsere Art und Weise, wie wir andere, wenn sie nachfragen, zum Thema aufklären, beobachten. Nehmen wir uns selbst ernst, wissen über unsere Krankheit Bescheid, sind offen und positiv, so fließt das automatisch auch in unsere persönliche "Aufklärungsarbeit", die wir vielleicht bei Freunden oder Bekannten betreiben und setzt sich auch mit einer ganz anderen Grundstimmung in deren Köpfe fest. Wenn wir sagen, wir "leiden" an Diabetes, wird durch die Wortwahl ein universelles Leiden unterstellt. Wenn jemand schreibt, dass "trotz" Diabetes eine Reise gemacht werden kann, kann ich nur sagen: ich habe noch nie jemanden trotz seines Diabetes reisen gesehen. Genauso sind die anderen nicht die "Normalen", die Vorstellung einer fixen Normalität finde ich fragwürdig und keiner weiß, wo Normalität beginnt und wo sie aufhört.

Sei nicht so kleinlich! - Kleinvieh macht aber auch Mist

Ihr seht - der kleine Unterschied macht es, damit wir uns ernstgenommener fühlen, aber auch ernster genommen werden können. Das hat nichts mit Kleinlichkeit zu tun, sondern mit gegenseitigem Respekt und Reflektierung. Übrigens kann ich Journalisten nur weiter die Leidmedien zum Nachschlagen und Umdenken empfehlen!

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