Montag, 10. Oktober 2016

Passen "wir" da überhaupt rein? - EASD 2016

Der EASD (European Association for the Study of Diabetes) trifft sich einmal im Jahr in einer europäischen Stadt zum großen Meetup in der jeweiligen Messe, wo es dann in wissenschaftlichen Sitzungen um neuste Studienerkenntnisse geht, es Vorträge, eine Posterausstellung zu Studien und eine große Industrieausstellung gibt. Dieses Jahr fand der EASD in München statt.

Normalerweise ist der EASD eine Veranstaltung für Fachpublikum. Glücklicherweise bekam ich trotzdem inzwischen schon zum dritten Mal die Möglichkeit, Teil des Ganzen zu werden, weil Firmen den Rahmen des EASD nutzen, um Bloggerevents oder Pressekonferenzen zu veranstalten und mich einige davon erneut dazu eingeladen haben.

Wollen die uns überhaupt?

Jedes Jahr zum EASD mache ich mir aber wieder die gleichen Gedanken: Wollen "die" "uns" Patienten überhaupt dort vor Ort haben, beim EASD? Wie schon gesagt, eigentlich ist es eine Veranstaltung nur für Fachpublikum: Ärzte, Medizinjournalisten, Pharmaindustrie, etc. Das bin ich alles nicht, und das werde ich auch nie sein, da das schlichtweg einfach nicht meinem Berufsfeld entspricht. Und ich möchte auch nicht so tun, als wäre ich das alles. Aber was mache ich dann da beim EASD, jedes Jahr wieder? Warum ist es so interessant für mich, warum sollte ich dort vor Ort sein? Wenn ich teilweise nicht mal verstehe, worum es in den Vorträgen oder wissenschaftlichen Sitzungen überhaupt geht, obwohl es mich betrifft, warum sollte ich in ein Flugzeug steigen und den EASD besuchen?

Es gibt zusätzlich zum EASD ein immer größeres, den EASD begleitendes Programm, welches Patientenvertreter, Blogger, und Verbraucher auf vielen Ebenen am Ort des Geschehens zusammenbringt. München war ein paar Tage lang eine Stadt voller Gleichgesinnter. Und ich merke: Ich muss mir keine Gedanken machen, denn es ist richtig und wichtig, dass ich hier bin!

Es ist 2016 und wir brauchen den Austausch!

Hallo, es mittlerweile 2016 und ich bin nicht mehr gewillt Gräben zu graben und von "denen" und "uns" zu sprechen. Denn um die Therapie voranbringen zu können braucht es mehr, wir müssen aufeinander zugehen. Nicht mehr von oben herab auf Patienten schauen, sondern sich auf eine Ebene stellen und reden. Es braucht den Austausch und die Diskussion zwischen Fachpublikum und Menschen mit Diabetes, um einen entscheidenden Schritt weiter gehen zu können. Wer das noch nicht verstanden hat, ist nicht nur ein kleines Bisschen spät dran. Und deswegen passe ich dort rein. Denn je größer der Haufen passionierter, dynamischer und engagierter Menschen mit Diabetes aus aller Welt wird, der mit dem Fachpublikum regelmäßig in Kontakt kommt und für das einsteht, was Menschen mit Diabetes im echten Leben brauchen, desto erfolgreicher bringen wir alle gemeinsam unsere Therapie und die Forschung rund um Diabetes voran.

Vielleicht fühle ich mich manchmal nicht unbedingt gewollt auf einer solchen Veranstaltung. Ich habe oft das Gefühl, dass Ärzte, Journalisten oder anderes Fachpublikum ein wenig Scheu vor Bloggern und aktiven, lauten, engagierten und passionierten Patienten im Raum haben. Denn die können schnell mal unbequeme Fragen stellen oder herausfordernd sein.
Auch wenn sie kein Fachpublikum sind, sind Menschen mit Diabetes vor Ort bei solchen Events wichtig! Und auch, wenn "wir Blogger" euch da draußen am Ende vielleicht nur einen kleinen Bruchteil dessen zeigen können, was in solchen aufregenden Tagen passiert, versuchen wir es wenigstens, euch Leser da draußen mitzunehmen. Ich kann und will euch nicht jeden einzelnen Vortrag und jede neue Studienerkenntnis präsentieren. Ich kann und will euch mitnehmen auf meine Reise und mit euch zusammen jeden Tag versuchen, etwas an der Kommunikation zwischen Pharma, Arzt und Patient zu verbessern. Kleine Schritte.

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