Sonntag, 22. Oktober 2017

Dieses Thema lässt mich nicht mehr los!

An diesem vergangenen Wochenende war ich zu Gast beim allerersten deutschsprachigen Diabetes-Barcamp, veranstaltet von der Blood Sugar Lounge, für die ich ja auch regelmäßig schreiben darf. Ein Barcamp ist eine sogenannte Un-Konferenz und das Konzept des Barcamps wird seit vielen Jahren von den unterschiedlichsten Interessengruppen für offenen Austausch und Vernetzung genutzt. Die Themen und Sessions eines Barcamps werden im Gegensatz zu klassischen Konferenzen nicht im Voraus von den Veranstaltern geplant und festgelegt. Dafür ist es ausdrücklich gewollt und erwünscht, dass die Teilnehmer Session-Ideen zu Beginn des Barcamps selbst vorstellen und dann zusammen mit allen Teilnehmern am Morgen des Barcamps das Programm entstehen kann. Dadurch soll gewährleistet werden, dass Themen an die Tagesordnung kommen, die die Community wichtig findet und die uns am Herzen liegen. 

Teil des großen Ganzen

Natürlich wünschte ich mir unbedingt ein Teil dieser großartigen Sessions zu werden und mit Leuten über ein mir wichtiges Thema ins Gespräch zu kommen, um zu sehen, ob es anderen auch so am Herzen liegt. Ich habe mir also im Vorfeld unfassbar viele Gedanken zu möglichen Session-Themen gemacht, die ich gerne in diesem Rahmen anbieten möchte und schnell festgestellt, dass ich tatsächlich viele Anliegen habe, die ich in die Welt hinaustragen möchte und zu denen ich mir einen Dialog wünsche. Letzten Endes habe ich mich für das Thema Diabetes und Zyklus entschieden, weil ich finde, dass dieses große und vielschichtige Thema nach wie vor komplett unterrepräsentiert wird. Ich nannte meine Session „(Bloody) Hell?! - Diabetes und Zyklus“ und stellte sie ungefähr so vor: „Ein Thema, welches mir persönlich sehr am Herzen liegt und welches meiner Meinung nach leider komplett unterrepräsentiert wird. Diabetes und Zyklus, Diabetes und Hormone, Diabetes und Schwangerschaft, Wechseljahre… welchen Einfluss haben all diese Dinge auf unseren Blutzucker und wie unterscheiden sich oder helfen uns unsere Erfahrungen? All das möchte ich gerne mit euch diskutieren!“


Und dann ging's los!

Meine Session sollte um 12.00Uhr beginnen. Schnell füllte sich der Raum und ich habe mich sehr gefreut, dass das Thema doch für so viele spannend und wichtig zu sein scheint. Ich begann zu erzählen, warum mir dieses Thema überhaupt so am Herzen liegt: Vor genau einem Jahr habe ich die Pille abgesetzt. Das hatte verschiedene Gründe: Ich wollte keine Hormone mehr zu mir nehmen und wollte einen natürlichen Zyklus haben, außerdem habe ich immer öfter von Depressionen in Verbindung mit der Pille gelesen und da dies für mich die letzten zwei Jahre auch Thema war, hat es mich nachdenklich gemacht und ich wollte es einfach einmal ausprobieren. Zu Beginn hatte ich mir eigentlich gar nicht so viele Gedanken darüber gemacht, was das wohl für meinen Blutzucker bedeuten könnte. Denn mit Pille hatte der Diabetes quasi keinerlei Einfluss auf meinen Zyklus. In diesem Jahr ohne Pille hat sich aber nun tatsächlich einiges getan. Jeder Zyklus war anders, ich habe sie alle aufgezeichnet. Und auch der Blutzucker hat massiv auf alle Veränderungen während eines Zyklus reagiert - mal mehr, mal weniger. Alles, was ich bei dem einem Zyklus im Bezug auf meinen Blutzucker gelernt habe, konnte ich bei dem nächsten schon nicht mehr anwenden und umgekehrt. Nun ist meine Diabetologin keine Gynäkologin und meine Gynäkologin keine Diabetologin (so ist es bestimmt bei allen von euch der Fall), es gibt aber auch niemanden, der beide Themen komplett miteinander verknüpfen kann und die Schnittmenge dieser Gebiete bildet, um mich dahingehend zu beraten. Ich habe versucht, im Internet Infos zum Thema zu bekommen, aber viel öffentlich wird leider (noch!) nicht gesprochen. Und hier geht es „nur“ um das Thema Zyklus. Bei den Themen Diabetes und Schwangerschaft oder Diabetes und Wechseljahre, die mich momentan zwar beide nicht akut betreffen, über die ich mir aber doch ab und an Gedanken mache, weil sie mir beide irgendwann in meinem Alltag begegnen können, gibt es noch viel, viel weniger und das leider verbunden mit sehr viel Panikmache. 

Eines der Probleme, die sich aus der Diskussion an diesem Tag herauskristallisiert haben ist, dass der Zyklus bei jedem von uns anders Einfluss auf den Blutzucker nimmt. Das ist jetzt tatsächlich auch nichts gewesen, was mich massiv überrascht hat, schließlich sind wir einfach keine immer gleich funktionierenden Maschinen, egal ob beim Diabetes an sich oder bei dem, was auf den Diabetes einen Einfluss haben könnte. Warum aber wird über dieses komplexe Thema so wenig öffentlich berichtet? Egal, ob in Verbindung mit Diabetes oder alleinstehend, die Themen Zyklus, Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre sind einfach nicht dauerhaft im öffentlichen Diskurs. Menstruation und alles, was damit zusammen hängt, ist immer noch ein „ekelhaftes“ Tabuthema. Schwangere sollen happy sein, aber es wird ihnen immer schwerer gemacht (Stichwort Hebammen, Krankenhäuser etc.) und am besten sollen sie auch bloß nicht öffentlich stillen. Die Wechseljahre werden höchstens dazu benutzt, blöde Witze zu reißen, wenn überhaupt mal darüber gesprochen wird. Und ich finde, das kann alles nicht mehr sein. Es ist 2017. Diese Themen sind Alltag für so viele, warum können wir die Probleme dann nicht WIRKLICH öffentlich besprechen? 

Ohne euch geht nix!


Ich kann behaupten, dass mit der Session nun ein Anfang gemacht ist und ich habe schon einige Ideen für die Nachbereitung in der Zukunft und darüber bin ich sehr froh. Die Stimmung im Raum war toll, wir haben rege diskutiert, waren respektvoll im Umgang miteinander und konnten uns wirklich sehr gut austauschen (obwohl die Zeit natürlich viel zu knapp war!). Danke nochmal an alle, die mit dabei waren und diese Session zu etwas für mich sehr Besonderen gemacht haben! Trotzdem - ohne euch alle da draußen gibt es da kein Weiterkommen. Was sind eure Erfahrungen zu Diabetes und Zyklus, Menstruation, Schwangerschaft oder Wechseljahren? Schreibt mir gerne!

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1 Kommentar:

  1. Oh ohja, oh wie gerne wäre ich dabei gewesen!!!!
    Bei mir ist die Thematik noch mal etwas verkompliziert, da ich seit ca einem Jahr ein Östrogenersatzmedikament nehme (Brustkrebspatientinnen werden Tamoxifen kennen. Ess-Spritz-Abstände sind eine Katastrophe, weil das Medikament die Insulinaufnahme behindern kann - nicht muss, nur manchmal, also jedes mal anders, also wirklich jedes mal anders, bei jeder Insulingabe, manchmal verzögert es aber auch nur die Kohlenhydrataufnahme - egal zu speziell, aber mein Hormonhaushalt ist ein Chaos pur und die Gynäkologin schaut mich hilflos an, der Diabetologe gibt mir Tipps, die ich zwischen unseren dreimonatigen Gesprächen schon längst alle durchprobiert habe.

    Wie auch immer - ich bin gespannt auf mehr!!!

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