Mittwoch, 9. März 2016

Ein neuer Sensor und warum ich im Moment keine ausführlichen Wochenend-Eventberichte mehr schreibe und das nichts mit den Events an sich zu tun hat

Moin!

-Reise- und Übernachtungskosten wurden von Roche übernommen. Ich darf frei entscheiden, ob und wie ich über dieses Wochenende berichte.-

Die Jahre ziehen so ins Land, bald ist mein Blog schon ganze drei Jahre alt und ich und er, wir haben inzwischen schon so einiges zusammen erlebt. Vieles davon kann man hier auf dem Blog natürlich nachlesen. Events, Reisen, ich bin wirklich schon viel rumgekommen mit dem Diabetes im Gepäck, das weiß ich sehr zu schätzen und es macht mich sehr dankbar, dass die Firmen inzwischen so auf uns Menschen mit Diabetes zukommen!

Trotzdem habe ich mich vor einiger Zeit entschieden, euch hier keine ausführlichen Wochenend-Eventberichte mehr zu schreiben, wie ich das am Anfang meiner Blogzeiten gemacht habe. Denn im Grunde sind solche Bloggerevents oft ähnlich aufgebaut. Bente hat euch letztens am Beispiel vom Roche International Event zum ATTD in Mailand erzählt, was da eigentlich alles so passiert. Ich muss euch nicht mehr sagen, wie viel Mühe sich die einzelnen Firmen mit dem Rahmenprogramm solcher Events geben, und wie sehr ich dies von Herzen zu schätzen weiß. Viele Blogger plus eine Firma treffen sich an einem Ort, tauschen sich aus, diskutieren, sprechen über neue, kommende Produkte, schauen sich vielleicht noch Produktionsstätten an und sprechen mit den Chefs, essen. Es nützt euch absolut gar nichts, wenn ich euch nach jedem Event erzähle, wie wundervoll die Gespräche, wie anregend und inspirierend die Diskussionen waren. Das ist irgendwann langweilig. Und langweilig mag ich nicht.
Der Austausch, der bei einem solchen Event passiert, ist für beide Seiten äußerst wichtig, damit die Firmen uns Typ-1-Diabetiker besser verstehen lernen. Ich bin sehr froh, dass die verschiedensten Firmen inzwischen auf uns Blogger zukommen und sich an uns herantrauen, mit uns Kontakt aufnehmen. Dass die Firmen dabei sehr viel Wissenswertes erfahren und das Gelernte auch bei ihren Produkten anwenden können, was uns wiederum zu Gute kommen kann, bekommen wir oft erst Jahre später am neuen Produkt selbst zu spüren. Was euch also am Ende etwas nützen kann, sind Produktneuheiten, Infos und allgemeine News der Firmen, die ich euch nach einem solchen Wochenende liefern kann. Die gehen in so einem ausführlichen Eventbericht allerdings leicht unter, wenn ich nebenbei vom Essen schwärme (und das kann ich gut, das ist quasi mein Hobby). Vor allem, wenn jeder Beteiligte einen ähnlichen Blogpost über so ein Wochenende schreibt, was ja schon durchaus manchmal passiert ist.


Ich möchte euch also wieder mehr mit Infos und Neuheiten versorgen, anstatt euch Fotos von meinem Event-Essen zu zeigen. 

Und deswegen lege ich damit direkt los.
Ich durfte am vergangenen Wochenende wieder zu Gast sein beim alljährlichen Roche Social-Mediendialog auf dem Schloss Hohenkammer in Bayern. Am zweiten Tag wurde uns das neue CGM-System vorgestellt, von dem ich bereits im Februar auf dem ATTD in Mailand gehört habe und schon ein paar Fotos auf Facebook zeigen konnte. Es ist von Senseonics und heißt Eversense und ist eine, wie ich finde, kleine Revolution. Ich werde euch jetzt alles darüber sagen, was ich bisher dazu erfahren habe.








Das System besteht aus einem Sensor, welcher mit einem kleinen Schnitt unter die Haut implantiert wird (dies muss ein Arzt machen) und dort 90 (bis zu 180) Tage sitzen kann. Der Sensor selbst kann nur messen und er muss täglich kalibriert werden. Um die Werte zu bekommen, muss man über den Sensor auf der Haut einen Transmitter befestigen. Dieser ist gleichzeitig die Energiequelle für den Sensor und nicht wasserfest. Das Pflaster, mit dem er befestigt wird, muss jeden Tag gewechselt und der Transmitter jeden Tag kurz aufgeladen werden. Der Transmitter sendet die Daten des Sensors an eine App auf Smartphone und/ oder Tablet. Es gibt keinen zusätzlichen Empfänger. Einerseits finde ich das super, da mein Smartphone eh mein ständiger Begleiter ist. Andererseits... sind die Akkus dieser Geräte bei jemandem, der viel mit dem Smartphone macht, oft eh schon nach ein paar Stunden Einsatz ausgereizt und mit einem toten Smartphone kann ich keine Werte empfangen. Von einem geklauten Smartphone möchte ich erst gar nicht sprechen.
Bei gefährlichen Werten vibriert der Transmitter am Arm und gibt so dem Träger das Signal, mal den Zuckerwert im Auge zu behalten. Der Transmitter an sich ist relativ groß und klobig (4 x 3,8 x1,3 cm). Das System wartet im Moment auf das CE-Zeichen und wird dann zunächst in anderen EU-Ländern gelaunched. Wann er zu uns kommt, konnte man uns noch nicht genau sagen. Gleiches gilt für Preise. Hier gibt es aktuell noch keine Infos! Es heißt nur, man wolle natürlich mit anderen Systemen auf dem Markt vergleichbar sein.


Lädt der Transmitter oder wechselt man das Pflaster oder hat ihn abgenommen, weil man z.B. schwimmen oder duschen geht, liefert der Transmitter später keine Werte nach. Für diese Zeit gehen die Werte leider verloren!
Das Pflaster ist vergleichbar mit normalen Sensitiv-Pflastern, die bei mir leider nie gut halten, schon gar nicht im Sommer, wenn ich schwitze.
Dennoch bin ich wirklich extrem neugierig auf dieses System, seine Arbeitsweise und Genauigkeit und brenne darauf, es selbst testen zu dürfen. Am liebsten hätte ich mich direkt unters Messer gelegt. Das dürfte allerdings in Wirklichkeit noch eine Weile dauern.
Einen ersten Erfahrungsbericht gibt es endlich hier von Sandrine Blue, die den Sensor im Rahmen der Studien als erste Person in Deutschland tragen durfte!

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Dienstag, 8. März 2016

Fem-was?

Heute ist internationaler Frauen*tag. Und wir brauchen ihn, heute und immer.

Und auch wenn es in diesem Post nicht primär um Diabetes gehen wird, geht es doch um uns.

Wie oft lese ich, dass Frauen* mit Typ 1 von ihren Partnern regelrecht fertig gemacht werden, wenn es ihnen wegen der Krankheit schlecht geht. "Mecker nicht!". Dabei wollen sie sich selbst oft gar nicht mit der Situation auseinander setzen. Letztens las ich in einer Facebook-Gruppe von jemandem, der vom Ehepartner fett genannt wurde, anstatt sachlich über die Anschaffung eines Libre-Sensors zu diskutieren. Bitte was? Und das sind nur die "Kleinigkeiten"...

Soweit ich zurückdenken kann, hatte ich immer schon ein sehr starkes Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Gleichheit. Etwas, wegen dem ich oft aneckte und unter was ich oft sehr leiden musste. In der 8. Klasse wurde ich von einem Lehrer als Emanze beschimpft, vor der gesamten Klasse. Dabei ist eine emanzipierte Frau* etwas großartiges. Der Duden definiert das wie folgt: „Frau*, die sich bewusst emanzipiert gibt und die sich aktiv für die Emanzipation einsetzt“. Feminismus ist großartig. Feminist ist kein Schimpfwort.

Ich habe viele Frauen* in meinem Leben, und sie sind alle bewundernswert. Von meiner Oma über meine Mutter, die mich allein durch meine Teeniejahre gebracht hat und immer alles für mich aufgeopfert hat, damit mir alle Türen offen stehen, über meine Freundinnen, die sich nicht beirren lassen, bis hin zu meiner Psychologin oder meinem Diabetes-Team, welches komplett aus Frauen* besteht. Ich wüsste nicht, was ich ohne all diese wundervollen Menschen in meinem Leben machen würde.
Auch die Frauen* mit Diabetes, die ich in den letzten Jahren kennen lernen durfte, dürfen auf keinen Fall in meinem Leben fehlen. Sie alle kämpfen sich jeden Tag durch ein Leben mit dieser Krankheit, mal ist es einfacher, mal schwerer.
Und trotzdem... wir haben noch so viel vor uns! Noch immer nicht herrscht die Gerechtigkeit, die herrschen könnte, wenn alle mal ihre Köpfe einschalten würden.

Ich will in einer Welt leben, in der Feminist kein Schimpfwort ist. 
Ich will in einer Welt leben, in der jede Frau* das sein kann, was sie ist, ohne dafür verurteilt zu werden: stark, schwach, platinblond, kurzhaarig, sehr groß, Mutter, kinderlos, single, alt, muskulös, jung, schlank, krank, gesund, kurvig, laut, leise, mutig, vorsichtig, Wissenschaftlerin, Bauarbeiterin, Lehrerin, und so vieles mehr!
Ich will in einer Welt leben, in der es kein Nachteil ist, eine Frau* zu sein!
Ich will in einer Welt leben, in der Frauen* ohne Angst durch die Straßen laufen können, und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit, überall.
Ich will in einer Welt leben, in der ich nicht "selbst Schuld bin", weil ich einen kurzen Rock oder einen großen Ausschnitt trage.
Ich will in einer Welt leben, in der Frauen* gemeinsam für sich stehen und sich nicht gegenseitig verurteilen.

Ich fand das Zitat von Dale Spender großartig, welches man heute auch auf Renzas Blog lesen kann:
"Feminism has fought no wars.  It has killed no opponents.  It has set up no concentration camps, starved no enemies, practiced no cruelties.
Its battles have been for education, for the vote, for better working conditions…for safety on the streets…for child care, for social welfare…for rape crisis centers, women’s refuges, reforms in the law.
If someone says, “Oh, I’m not a feminist,”  I ask, “Why, what’s your problem?”"

Ja, was ist dein Problem?

Zur Feier des Tages habe ich eine kleine Playlist auf Spotify erstellt, für heute und immer. Am Besten laut aufdrehen:


Freitag, 19. Februar 2016

Ich nadel mich mal fest...

Moin!

Ich gehöre jetzt bereits fast drei Jahre zum Club der Menschen mit Typ 1 Diabetes. Drei Jahre. DREI. Das mag im Vergleich mit einigen von euch da draußen nicht viel Zeit sein, für mich bedeuten diese drei Jahre allerdings sehr viel. Drei Jahre voller Insulin, Pens, Teststreifen, Sensoren, Messgeräte, Stechhilfen, Lanzetten und Nadeln. Alles musste kennen gelernt und auf den eigenen Körper, den Alltag und die Vorlieben angepasst werden. Am Anfang meiner Diabeteskarriere war ich zunächst einfach froh, dass ich wusste, was los war mit mir, dass mir endlich geholfen werden konnte und es mir langsam wieder besser ging. Da war es dann auch erst Mal egal, welches Messgerät. Es war egal, ob es eben erstmal nur Fertigpens waren und es war egal, welche Nadeln ich für diese benutzte - Hauptsache, sie hatten die halbwegs richtige Länge.

Irgendwann wirste halt anspruchsvoller...

Und irgendwann kommt der Punkt, da ist es eben nicht mehr egal. So war es auch bald bei mir. Das ist mit vielen Dingen so: Kochst du viel, gehst du viel essen und probierst einiges aus, wird deine Geschmackspalette erweitert und du kannst Gemüse direkt vom Bauern von Gewächshausgemüse vom Discounter unterscheiden. Oder schmeckst plötzlich die Blumen im Honig oder weißt den Käse aus Frankreich mehr zu schätzen. Trinkst du gerne guten Wein, bemerkst du auch hier irgendwann die Unterschiede. Beschäftigst du dich mit Filmen, kannst du gute mit Liebe gemachte Produktionen von schnellen herzlosen unterscheiden. Gehst du viel laufen, merkst du irgendwann, dass du dich auch die billigen No-Name-Laufschuhe nicht verlassen kannst. Arbeitest du viel am Computer, zahlt sich hier irgendwann eine größere Investition aus. Ihr versteht schon, worauf ich hinaus will. Irgendwann merkt man den Unterschied.
Zu Beginn meiner Therapie bekam ich bereits die Nadeln von BD verschrieben. Micro-Fine Ultra mit Pentapoint, 0,25x5mm. Ich fand sie gut, machte mir aber wie gesagt nicht viele Gedanken. Erst später, als ich aus Versehen (?) Nadeln einer anderen Firma verschrieben bekam, bemerkte ich den für mich sehr großen Unterschied zu den Nadeln, die ich bisher benutzte. Auch später dann, als ich durch Reisen zu Messen und Kongressen und Kontakt mit Firmen in den weiteren Genuss des fröhlichen Nadeltestens gekommen war kann ich sagen, dass ich weiterhin auf die BD-Nadeln setze, wie viele andere, mit denen ich über die Jahre schon sprechen durfte. Die Nadeln gleiten einfach am Besten, sie sind sehr selten spürbar, schön kurz und verstopfen quasi nie. Mir ist am Ende am aller wichtigsten, dass eine Nadel auch bei einer eventuellen zweiten Injektion nicht bis kaum schmerzt. Denn, seien wir hier mal bitte kurz realistisch: auch wenn ich inzwischen relativ oft meine Nadeln wechsle und das wichtig ist, manchmal muss es einfach noch schneller gehen. Zack, rein. Keine Zeit fürs Wechseln, das muss dann auch mal so gehen. Und so ist das, zumindest für mich, bei diesen Nadeln. Da kommt im Moment keine andere ran, sorry!

Ich kann euch trotzdem sagen, es gibt viele verschiedene da draußen. Gute, sehr gute und weniger gute Nadeln. Und es ist ein schönes Gefühl zu wissen, wenn man seine Nadeln gefunden hat. Denn auch das ist, wie so vieles anderes bei der Diabetestherapie, eine ganz individuelle Sache. Also probiert aus, wenn ihr Probleme mit euren Nadeln habt. Lasst euch Proben von den Firmen zuschicken, sprecht auf Messen oder Diabetikertagen mit den Firmen, testet was das Zeug hält und findet eure Nadel.

Eine Injektion kann schmerzhaft sein, aber weniger schmerzhaft mit der für einen selbst richtigen Nadel.
...Aber selbst mit der kann es manchmal trotzdem weh tun. Diabetes ist halt kein Zuckerschlecken, wa? :) x