Dienstag, 19. Juli 2016

Diabetes-Dienstag SPEZIAL - Runterfahren, wieder ankommen und mehr vertrauen

Meine krassen zehn Tage sind vorbei, es ist viel passiert und die Gefühle und Stimmungen fuhren Achterbahn. Rauf, runter, rauf und runter. Nun habe ich bereits die erste Nacht wieder zu Hause hinter mir und es wird Zeit, die letzten Tage ein wenig Revue passieren zu lassen. Da heute Dienstag ist, werde ich es direkt mit meinem Diabetes-Dienstag-Post verknüpfen und das ganze Diabetes-Dienstag SPEZIAL nennen. Auch auf Snapchat gibt's heute wieder ein Bisschen Diabetes von mir (Name: kaesefondue). Schaut mal rein, wenn ihr Lust habt!

Welches war dein höchster Wert in den letzten 7 Tagen und warum? HI. Ist immer total schön, wenn man das 'HI' des Messgerätes benutzen kann, um anderen damit 'Hallo' zu sagen... Nee, mal im Ernst: Am vergangenen Samstag ging der Wert stellenweise nicht mehr runter. Vermutlich lag's an der Aufregung.

Welcher war dein niedrigster Wert in den letzten 7 Tagen und warum? 53mg/dl. Zum Glück merke ich die Unterzuckerungen selten später. Zum Glück hatte ich genug Zucker am Start und nicht mal alles wurde verbraucht. 4 Rollen Traubenzucker, 1 Flasche Cola, diverse Caprisonnen.

Wie ging es dir die letzten 7 Tage über? Psychisch war es, wie oben schon beschrieben, die reinste Achterbahn. Konzerttickets in Berlin vergessen, Insulin in Hamburg im Kühlschrank vergessen, dann in Düsseldorf in einer Schwerpunktpraxis ein Rezept bekommen, Insulin geholt,  dann den Bolus-Pen beim Beyoncé-Konzert verloren und mit nur einem Pen zum Festival. Ich bin wahnsinnig geworden. Wie gut, dass am Ende ein Pen eigentlich reicht. Und, hey, immerhin habe ich auf dem Festival dann nichts mehr verloren!

Was waren die am schwersten einschätzbaren Broteinheiten diese Woche? Wir haben total viel auf dem Festival gegrillt, und Grillgut mit den ganzen FPE einzuschätzen fällt mir nach wie vor eher schwer. Handbrot hatte ich zum ersten Mal, auch nicht ohne. Aber die Goodies aus der japanischen Bäckerei in Düsseldorf waren wie immer nicht einfach zu schätzen.

Wie aktiv warst du die letzten 7 Tage? Mein tägliches Laufprogramm konnte ich auf Reisen nicht halten. Aber immerhin war ich laufen. Zwei Mal, ein mal in Hamburg und ein mal auf dem Festivalgelände am Samstag. Dazu kam enorm viel gehen, gerade in Düsseldorf, Leipzig und auf dem Festival. Mindestens 10000 Schritte pro Tag waren ganz locker drin. Und das ist super. Noch dazu wurde viel getanzt auf den Konzerten und beim Festival. An Aktivität hat es also glücklicherweise wirklich nicht gemangelt und auch heute bin ich schon wieder im Wald gelaufen.
Dazu kommt nun auch noch die App Pokémon GO, die mich als Vielgeher wirklich nochmal zu ein paar mehr Extra-Schritten pro Tag animieren kann! Und auch bei Lisa scheint die App ihre Dienste zu leisten.

Welche Schwierigkeiten könnten in den nächsten 7 Tagen auf dich zukommen? Ich bin weiterhin auf dem Sprung, nur ein paar Tage zu Hause. Das schlaucht.

Was war am schönsten diese Woche? Viel draußen aktiv sein war super. Sonne abbekommen. Da durften die Werte auch einfach mal Werte sein.  Beyoncé sehen. Rihanna sehen. Das Festivalprogramm.

Danke euch nochmals für all eure Tipps, Infos und die wahnsinnig lieben Worte an mein aufgeregtes wahnsinniges Selbst. Ihr habt mir echt so geholfen damit! Es war im Endeffekt wirklich eine schöne Zeit. Die Werte waren mal gut, mal nicht so gut, aber ich hatte alles mehr oder weniger unter Kontrolle. Bis auf die Verluste, die konnte ich schlecht kontrollieren.
Dass mir viele von euch eine Pumpe vorgeschlagen haben, weil man diese nicht verlieren kann, habe ich ernst genommen. Dennoch ist 'nur' dieser Grund zu wenig Grund für eine Pumpe und es gibt momentan einfach nicht die FÜR MICH PERSÖNLICH perfekte Pumpe auf dem Markt. Da möchte ich mir einfach nicht irgendwas anderes für vier Jahre ans Bein binden. Außerdem kam das jetzt zum ersten Mal überhaupt, und dann leider direkt sehr geballt vor, dass ich in so großem Maße meinen Diabeteskram vergessen oder verloren habe, und das in dreieinhalb Jahren. Ist also ein okayer Schnitt, würde ich sagen.

Was ich aber wirklich gemerkt habe in der letzten Woche war, dass ich definitiv die Menschen um mich herum noch besser schulen muss, was den Diabetes angeht und ihnen auch verständlich machen muss, dass eine Frustphase vorkommen kann und es für sie kein Grund sein muss, ebenso auszuflippen wie ich, sondern dann eher unterstützend zu sein. Das war eine krasse Woche und ich musste an 100 Dinge gleichzeitig denken und hab mir mal wieder bewiesen, dass ich dann selbst meinen Kopf vergessen würde, wenn er nicht an meinem Hals kleben würde. Da hilft es, wenn die Menschen in der Umgebung wissen, was die Lieblings-Unterzucker-BE sind oder dass es kein Beinbruch ist, wenn man plötzlich nur noch einen Pen hat.

Die Securities waren übrigens nirgends ein Problem für mich als Typ-1-Diabetikerin. Nicht in Hamburg, nicht in Düsseldorf und nicht beim Festival. Eher kam es vor, dass ich mit Sensor am Arm für Aufsehen beim Publikum sorgte und mal hier und da Fragen beantwortete. Das war nie schlimm, trotzdem ist das eher der letzte Ort, an dem ich für lange Erklärungen zu haben bin.

Jetzt muss ich irgendwie versuchen, wieder in der normalen Realität anzukommen. Ich zwang mich heute morgen schon zum Laufen, so dass zumindest der Teil in meinem Alltag direkt wieder stabil ist. Die morgendliche Laufrunde mit Pokémon GO zu verbinden spornt übrigens noch mehr an :D
Die zehn Tage haben sich angefühlt wie ein ganzer Monat und es ist verdammt verrückt wieder zu Hause zu sein und endlich Zeit und Ruhe zu haben, die ganzen Konzerterlebnisse zu verarbeiten.

Die zehn Tage haben mir aber auch gezeigt, dass ich endlich mehr Vertrauen in mich selbst und meine Fähigkeiten haben muss. Dass ich auch mit wenig zehn Tage durchleben kann. Dass ich mir als Mensch mit Diabetes nicht das Leben vom Diabetes vermiesen lassen darf und dass es immer irgendwie weiter gehen muss und weiter gehen wird.


Zusammengefasst darf ich nun wie folgt die letzten zehn Tage abschließen:

-Securities haben kein Problem mit Diabetesutensilien, am Besten nimmt man aber festen Traubenzucker als Unterzucker-Hilfe mit, flüssig mögen sie nicht so gerne
-Schwerpunktpraxen in anderen Städten versuchen immer zu helfen, auch wenn es nicht so leicht möglich ist, wie in der heimischen Praxis. Im Zweifel geht's da schneller als im Krankenhaus
-Ich muss mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und ins Selbst haben 
-Die Menschen, die einem am nächsten stehen, MÜSSEN sich mit dem Diabetes auskennen, da sie sich sonst in Sondersituationen eher Sorgen machen, als helfen und einen klaren Kopf behalten können
-Auf einem Festival erweisen sich Sensoren wirklich als äußerst praktisch




Ein von tine (@saytine) gepostetes Foto am



Kommentare:

  1. Das stell ich mir echt bescheiden vor, wenn man alle seine wichtigen Utensilien vergisst. Das ist ungefähr genau so wie wenn meiner Freundin das Asthma Spray aus geht und man unterwegs ist...

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Tine,

    ich habe Deinen Blog gerade zufällig über einen Link gefunden. Super! :-)
    Ich bin 31 und habe seit ~28 Jahren Diabetes. Das wird schon.

    Auch wenn Du nichts vergisst, Pens gehen kaputt, Batterien sind auf einmal leer, Patronen fallen runter, Teststreifen kippen aus und Displays haben Fehler. 1, 2 oder 3, was steht denn nun an erster Stelle? ;-)
    Ich hatte auch schon mal LO da stehen.

    Als ich vor 16 oder 17 Jahren angefangen habe mich komplett selbst drum zu kümmern ist auch mal was schief gelaufen. Irgendwann bist du routiniert. Dann kannst Du Essen ziemlich treffsicher einschätzen, spürst sowohl sehr hohen, wie auch sehr niedrigen Blutzucker und hast immer Dein persönliches Ersatzmaterial dabei.
    Auch das mit dem "an alles denken" kommt irgendwann von selbst.
    Solange Du in einer Gegend mit vernünftiger medizinischer Versorgung unterwegs bist und die Menschen eine von Dir gesprochene Sprache sprechen, ist meist alles gut. "Uns" gibt's ja überall.

    Und ja, Familie, Geschwister und Freunde sollten grundlegend über Diabetes Bescheid wissen. Auch einige Kollegen sollten es zumindest wissen.

    Viele Grüße und weiter so!
    Mark

    AntwortenLöschen