Montag, 6. Juni 2016

Über Ernährungsbesserwisser, Bananenbrot und wieso ich es trotzdem esse

Mein Rezept für Bananenbrot war mein erstes, selbst kreiertes und funktionierendes Backrezept. Stolz wie Bolle war ich, als ich letztes Jahr das Rezept niederschrieb. Dennoch wunderten sich Leute. Krass, das isst du? Ist das nicht viel zu viel Zucker? Ich frage mich wirklich immer wieder, warum so viele Menschen Angst vor Zucker haben und wie Menschen, die sich scheinbar selbst "irgendwie" zum Beispiel nur mit Low-Carb-Ernährung in Kombination mit Diabetes auseinander gesetzt haben, Zucker so verurteilen können, als hätten sie da einen Tunnelblick drauf und alles andere existiert plötzlich nicht mehr.

Warum verurteilen wir uns permanent gegenseitig?

Natürlich werde ich krank, wenn ich jeden Tag 5Kg Raffinadezucker esse. Aber wieso will jeder von uns immer Recht haben und denkt, die eine eigene Lösung ist die Beste für alle? Wir sagen doch selbst immer, dass wir keine Maschinen sind. Und dann widersprechen wir uns doch wieder. Wenn es um Ernährung geht, soll sich plötzlich jeder Mensch das gleiche in den Mund schieben.
Habt ihr euch mal genauer mit den Funktionen von Zucker in unserem Körper beschäftigt? Habt ihr euch angeschaut, wie gut Menschen zum Beispiel mit einer High-Carb-Low-Fat-Ernährungsweise leben oder wie viel besser es manchen geht, wenn sie außschließlich Obst und Gemüse zu sich nehmen (ich verweise an dieser Stelle auch immer gerne an den Mindful Diabetic Robby)?

Mit der Ernährung ist es wie mit dem Reisen

Erweitert euren Horizont. Nicht jede Lebensweise ist für jeden geeignet. Hört auf, eure Sichtweise auf andere Menschen in völlig anderen Lebenssituationen übertragen zu wollen. Zeigt nicht immer mit erhobenem Finger auf andere. Kehrt vor eurer eigenen Haustür. Informiert euch, wie andere Menschen in aller Welt sich ernähren. Und bleibt höflich, verdammt nochmal!
Mit dem Wissen über Ernährung ist es ein wenig wie mit dem Reisen. Wer viel in verschiedene Orte der Welt reist, lernt andere Kulturen kennen und wird aufgeschlossener und toleranter anderen Lebensweisen gegenüber. Wer sich mit dem Thema Ernährung beschäftigt, beginnt zu verstehen, dass auch hier nicht ein Weg der richtige für alle ist und findet vielleicht neue Lösungen für alte Probleme. Erinnert ihr euch noch daran, was ich immer sage? Wir sind keine Maschinen, wir sind Menschen. Jeder von uns ist anders, wir sind alle Individuen und jeder Typ-1-Diabetiker hat einen anderen Diabetes. Jeder Körper ist anders und daher können wir nicht alle gleich trainieren, können besser oder schlechter mit Stress umgehen, als andere oder reagieren anders auf verschiedene Ernährungsweisen.

Meine Lösung: Bewusstes essen

Ich habe für mich festgestellt, dass ich in meinem Alltag mit auf mich zugeschnittener bewusster High-Carb-Low-Fat-Ernährung am besten zurecht komme. Es tut mir gut. HCLF bedeutet vegan, viel Reis, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte. Das schaffe ich mal mehr, mal weniger. Mache mir da aber auch keinen Druck. Zwischendurch gibt es mein geliebtes Rührei, oder eben Bananenbrot, wenn die Bananen so dunkel und weich sind, dass sie beinahe triefen. Aber alles bewusst. Unterwegs oder am Wochenende gibt es alles Mögliche. Ich folge hier auch keinem strikten Ernährungsplan, sondern versuche einfach auf meinen Körper zu hören. Wenn ich unter der Woche für mich koche, ist es oft simpel. Ich möchte mein Gemüse nicht überwürzen und meine Geschmacksknospen austricksen. Ich möchte schmecken, wie die Kartoffel oder die Tomate schmeckt.  Simpel ist hier mein Trick. Was gibt mir die Meiste Energie? Was wird gut verdaut? Was klappt vielleicht auch mit dem Blutzucker am Besten? Das alles immer unter der Prämisse, mir nichts zu verbieten oder mir keine allzu großen Gedanken um Essen zu machen. Essen soll Freund sein, nicht Feind.

Ab und an empfiehlt es sich auch, mal in anderen Landesküchen vorbeizuschauen. Im Moment koche ich viel koreanisch vegan (Reis, Kimchi und großartig zubereitetes Gemüse) oder israelisch! Das inspiriert für die eigene Küche und öffnet zusätzlich nochmal die Augen.

Das alles ist aber nur MEINE Lösung. Bei euch und eurem Alltag in Kombination mit dem Diabetes könnte es schon wieder ganz anders aussehen. 
Hört auf, mit dem Finger auf andere zu zeigen, nur weil sie sich anders ernähren, als ihr. Informiert euch. Seid aufgeschlossen und hört auf euren Körper. Kehrt vor eurer eigenen Haustür. Kocht und esst mit BEWUSSTSEIN! Und dann backe ich euch vielleicht auch mal ein Bananenbrot.

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Freitag, 3. Juni 2016

Wir müssen keine Freunde sein, nur weil wir beide Diabetes haben

Es tut wahnsinnig gut, Menschen kennen zu lernen, die Typ-1-Diabetes haben. Die verstehen einen einfach noch besser als jeder andere gesunde Mensch, dem man eben immer und immer wieder nur erklären kann, wie es sich anfühlt, der es aber nie wirklich exakt nachfühlen kann. Das ist wie Menschen treffen, die die gleiche Sehschwäche haben, nur seltener.

Letzte Woche bemerkte ich mal wieder eine Frau, der ich auf Twitter folgte, in meiner Timeline. Sie lag im Krankenhaus mit dem Verdacht auf Typ 1. Ich schrieb ihr direkt und wir tauschen uns seit dem aus. Sie kann mir Fragen stellen, ich beantworte sie. Sie kann mir von ihren Erlebnissen berichten und ich denke nochmal zurück an meine eigenen ersten Wochen mit Diabetes. Ein wirklich komisches Gefühl macht sich seitdem in meinem Bauch breit und zieht alles in mir zusammen. Ein Gefühl, welches mir Tränen in die Augen treibt, während ich diese Zeilen schreibe.

In den letzten 3 1/4 Jahren habe ich enorm viele Menschen mit Typ-1-Diabetes kennen lernen dürfen. Ich verstehe das als absolutes Privileg. Viele von ihnen traf ich erstmal nur online, einige dann tatsächlich auch in der "echten" Welt, nur wenige davon mehrfach. Einige wenige auserwählte nenne ich heute Freunde. Denn nur, weil wir alle Typ-1-Diabetes haben, müssen wir uns nicht vorspielen, dass wir deswegen alle auch automatisch sofort Freunde sind. 

Jetzt mal ernsthaft

Ich bin auch nicht mit jedem direkt gut befreundet, der Essen liebt. Oder der einfach nur da ist, so wie ich. Wenn es so einfach wäre, hätte jeder von uns tausende Freunde an der Backe. Freundschaft ist für mich aber etwas Tieferes. Wenn wir befreundet sind, helfe ich dir aus der Scheiße. Ich biete dir Tag und nacht mein Ohr an und heule dir die Ohren voll. Ein geben und nehmen. Ich koche alles für dich, ich bringe dir Kekse mit, oder Blumen. Ich lache und weine mit dir und ich will Dinge aus deinem Alltag erfahren und mit dir in Kontakt sein. Regelmäßig sehen müssen wir uns dafür nicht. So weit kommen allerdings nur wenige. Manche davon haben Typ 1. Andere nicht. Aber eigentlich ist das egal. Denn ein gemeinsamer Typ 1 ist kein Garant für eine funktionierende Freundschaft.
Und nur, weil wir die gleiche chronische Krankheit haben und einander in dieser Hinsicht gut verstehen, heißt das nicht, dass wir automatisch Freunde sein müssen.

Inzwischen kann ich ganz gut unterscheiden, was echte Freundschaft ist und was nicht. Das hat Jahre gedauert. Und auch, wenn es mir immer wieder schwer fällt, zu akzeptieren, dass jemand, den ich für einen potentiellen Freund gehalten habe, dies vielleicht doch nicht ist, akzeptiere ich es inzwischen und schraube einen Gang zurück. Umso stärker wiegen die Freundschaften, die wirklich echt sind und es auch über längere Zeit aushalten, Freundschaft zu bleiben.

Alles andere ist und bleibt Austausch mit Gleichgesinnten. Realistisch bleiben. Nur weil wir auf Facebook befreundet sind, sind wir noch lange keine Freunde. Und wo keine Freundschaft ist, muss man sich keine schauspielern.

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Mittwoch, 6. April 2016

DREI JAHRE BLOG - Was ich gelernt habe

Moin!

Immer noch Geburtstag! Immer noch in pink! Dieses Mal ist aber der Blog hier an der Reihe! Ich bin etwas spät dran, aber das liegt daran, dass ich über die Osterfeiertage unterwegs war und ausnahmsweise keinen Blogpost vorbereitet habe. Am 12.03. war mein drittes Diajubiläum und nur 12 Tage später, nämlich am 24.03., feierte ich meinen dritten Bloggeburtstag! WOW! Und ich kann mich nur wiederholen: wie schnell die Zeit vergeht, ist unfassbar für mich. Was die letzten drei Jahre bei mir los war, übersteigt alles, was bisher in meinem Leben passiert ist. Und hier bin ich heute, MIT Diabetes an meiner Seite.


Dass mein Blog nur 12 Tage jünger als meine Diagnose ist, liegt daran, dass ich direkt ein riesengroßes Bedürfnis hatte, meine Erlebnisse und Gedanken mit dieser neu diagnostizierten Krankheit aufzuschreiben und in die Welt hinauszuschicken. Ich verbrachte sowieso viel Zeit mit Recherche zum Thema Diabetes im Internet. Las viel, sah mir Videos an, verstand und probierte aus. Und irgendwo musste das alles hin. Meine Schulung bekam ich erst gut vier Monate nach meiner Diagnose, und so dauerte es einige Zeit, bis ich Leute zum Austausch in meiner direkten Umgebung fand. Und obwohl ich direkt herausfand, dass einige meiner Kommilitonen auch Typ-1-Diabetes haben, reichte mir das nicht, da sie eher verschlossen mit ihrem Diabetes waren und ich zu diesem Zeitpunkt schon merkte, dass ich, im Gegensatz zu ihnen, volle Kraft voraus gehen muss. Und so entstand mein Blogbaby nur 12 Tage nach meiner Diagnose und ich hoffe, es bleibt mir noch sehr lange treu.

Happy Birthday, Blog!

Zu dieser feierlichen Angelegenheit möchte ich heute einmal notieren, was ich in dieser Zeit gelernt habe.

Drei Dinge, die ich in drei Jahren Blog gelernt habe:

1. Es ist MEIN Blog
Mein Blog ist mein Blog ist mein Blog. Hier ist mein Spielplatz, ich kann mich austoben und meine Meinung sagen. Ich kann hier die Luft rauslassen und ich entscheide, was hier passiert. Wem es gefällt, der kann bleiben und mit dabei sein. Aber ich kann und will es nicht allen recht machen. Mit meinem persönlichen Blog mache ich mich verletzlich und angreifbar und musste lernen, damit umzugehen. Dass nicht jeder mir immer zustimmt, habe ich die letzten drei Jahre oft zu spüren bekommen, aber das ist okay, weil ich niemanden zwinge, hier mitzulesen. Bloß, weil jemand meine Arbeit hier nicht mag, heißt das nicht, dass sie schlecht ist. In erster Linie schreibe ich diesen Blog mit viel Herzblut für mich. Und das ist vom ersten Tag an bis heute unverändert. Und dass diese Tatsache von anderen gewertschätzt wird, lässt mein Herz regelmäßig höher springen.

2. Community ist wichtig und muss geschätzt werden
In den drei Jahren, in denen ich hier blogge, ist die Onlinecommunity rund um den Diabetes massiv gewachsen. Als ich meinen Blog erstellte, gab es nur rund eine Hand voll deutschsprachiger Mitblogger zum Thema Diabetes. Inzwischen sind es um die 100 "KollegInnen" und es werden ständig mehr. Noch dazu wächst die Zahl der Menschen, die sich online zum Thema Diabetes informieren wollen. Das ist großartig! Das Internet bietet uns den Platz dafür und wir nutzen diesen, kommen zusammen und tauschen uns aus.
Was diese Community aber noch lernen muss: No hate, no judgement, no jealousy. Ich verstehe, dass das Thema Rund um den eigenen Diabetes für jeden einzelnen von uns sehr emotional sein kann. Deswegen muss man andere, die etwas anders machen, noch lange nicht angreifen oder beschimpfen oder ihre Meinung als falsch darstellen. Wir sind alle anders, alle unterschiedlich. Nur weil wir alle Diabetes haben, müssen wir keine best friends sein. Diabetes definiert uns nicht. Aber wir können respektvoll miteinander umgehen. Dafür müssen wir bei uns selbst anfangen, um die Community respektvoller und in sich gestützter wachsen lassen zu können. Was ich zum Beispiel teilweise in manchen Facebook-Gruppen lese, macht mich wirklich sprachlos und wenn ihr eure Mitmenschen im echten Leben auch so behandelt, na dann herzlichen Glühstrumpf!

3. Manchmal kann ich mit meinem Mini-Blogbaby etwas bewegen, und das ist toll
Hey, mal ehrlich. Ich schreibe hier, und schreibe, und schreibe. Ich lasse die Luft raus, ich beschwere mich hier, ich komme mit vielen von euch, echten anderen Menschen mit Typ 1 und Firmen in Kontakt, und wir können uns austauschen. Die Mühe, die Leidenschaft, die Arbeit, die ich seit über drei Jahren in diesen Blog stecke, kann etwas bewirken. Feedback zu bekommen, zu erfahren, dass mein Geschreibsel jemandem helfen konnte oder ich damit etwas im Kopf eines Entwicklers bewirken konnte, das sind wirklich die Kirschen-auf-dem-Eis-Momente. Eure Kommentare zu lesen, ist so wertvoll für mich. Es macht mich so froh, wenn ich erfahre, dass ich euch happy oder mutiger mit meinen Texten gemacht habe oder euch motivieren konnte. Das ist ein unfassbar schönes Gefühl. Fast so, als würde ich euch allen bei mir zu Hause ein selbstgekochtes Drei-Gänge-Menü servieren und es würde euch super gut schmecken. So einfach kann man mich glücklich machen.
Ich hoffe, dass ich mit meinen Texten einen kleinen Teil dazu beitragen kann, Menschen mit Diabetes zu motivieren, für sich selbst einzustehen, ohne zu vergessen, dass sie eine chronische Krankheit haben, sich aber nicht von dieser am Leben hindern lassen! Und ich glaube, wir sind da auf einem guten Weg.


Was erwartet ihr von einem Blog? Oder wenn ihr BloggerInnen seid: Was habt ihr bisher durchs Bloggen gelernt? :)

Habt eine wundervolle Restwoche!
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PS: Werbung ohne Kennzeichnung auf dem Blog ist IMMER NOCH NICHT COOL!