Dienstag, 21. Oktober 2014

Den Schalter auch mal umlegen (können)...

Moin, moin zusammen!

Über den Titel des heutigen Posts bin ich irgendwie heute morgen gestoßen.
"Den Schalter auch mal umlegen...".
Ich denke viel und oft und lange und gerne über Diabetes-Themen nach. Viele Tage sind voll davon. Sei es wegen bald stattfindenden Events, einer Textidee, weil ich mit einem meiner Diapeeps telefoniere, mit meiner Beraterin gesprochen habe, die Werte nicht so wollen oder ich eine Projektidee habe.

Im Moment fällt es mir schwer, mir dafür im Alltag Zeit zu nehmen, eigentlich möchte ich Blog und die Endphase des Studiums irgendwie verbinden, meinen eigenen künstlerischen Standpunkt erarbeiten und dann eigentlich auch noch regulär arbeiten und ups, ääähm, ja, stimmt, ein Privatleben hab ich ja eigentlich auch noch. Am Besten soll dabei nichts auf der Strecke bleiben. Würde es aber. Ich brauche viel Vertrauen in generell alles, um die Kontrolle mal loszulassen, beziehungsweise den Schalter mal umzulegen und es einfach mal gut sein zu lassen. Vielleicht MUSS ich gar nicht ständig über Diabetes nachdenken?! Ich habe entschieden, dass es mir damit im Moment sehr gut geht und es okay ist, wenn ich mal nicht 24/7 an Themen rund um Diabetes denke.
Ich habe letzte Woche einen Masterstudenten kennengelernt (Hallo Kevin!), der gerade in Berlin seinen Master in Visueller Kommunikation macht, selbst seit vielen Jahren Typ-1-er ist und an einem Projekt für Menschen mit Diabetes arbeitet. Total interessant, dazu aber sicher an anderer Stelle mehr, ist nämlich alles noch in der Entwicklung. Als ich ihm von meiner Diagnose und dem Blog erzählt habe, konnte er nicht fassen, dass ich mir das Thema Diabetes auch noch in meinen privaten Alltag geholt habe. "Du hast ja nie Pause!", sagte er. Und damit hat er irgendwie Recht. Nie Pause vom Thema, aber auch verdammt viel Spaß dabei... Zum ersten Mal jetzt kann ich allerdings gerade gar keinen Einfluss darauf nehmen, wie viel Zeit ich mir für dieses Thema nehme oder nicht. Und damit muss ich erst einmal klar kommen. Habe ich kurz Zeit, schreibe ich eine Blogpost-Idee nieder. Bin ich zufrieden, veröffentliche ich sie direkt. Alles andere bleibt gerade mal ein wenig auf der Strecke, aber das ist okay, ich gebe die Kontrolle ab. Die Werte passen und mir tut es vielleicht auch mal gut, den Schalter auch mal umzulegen und die Gedanken dazu auszuschalten.

Legt den Schalter auch mal um, ist okay!

x

Montag, 20. Oktober 2014

Immer wieder sonntags...

Moin!

Gestern, es war Sonntag, bin ich eingeschlafen, bevor ich überhaupt an meinen Blog denken konnte. Ich meine, das sagt alles, über meinen aktuellen Zustand und die Bedeutung von "Zeit" jetzt gerade in meinem Leben. Gestern habe ich zum ersten Mal seit Tagen mit meinem Freund zu abend gegessen, und wir wohnen zusammen und machen das normalerweise ständig, aber letzte Woche war einfach mächtig viel los. Und so wird es weitergehen bis Ende Januar. Ich selbst komme damit noch nicht so gut klar, meine Werte erstaunlicherweise sehr gut. Ich muss inzwischen zwar auch tagsüber Basal spritzen, was ich jetzt 19 Monate lang nicht musste, aber das hilft anscheinend enorm.
Bald ist Weltdiabetestag (14. Nov) und ich bin mir noch nicht sicher, ob und welche Veranstaltung ich dazu besuchen kann.
Mal schauen.


|Gesehen| Vampyros Lesbos, Bob's Burgers
|Gelesen| Kant, Lena Dunhams neues Buch
|Gehört| Vampyros Lesbos OST, Beyonce, Ex Hex, Broadcast, Avi Buffalo, Fleetwood Mac
|Gegessen| fabelhaftes Curry, Ofenkürbis mit spanischem Tintenfischstew, vieles weiterhin vegan
|Getrunken| zu wenig Wasser, Kaffee, Portwein, Club Mate
|Getan| die Diabetes Charity Gala in Berlin besucht, nen Hund ausgeführt, einen Talk besucht, den Beginn des Monats der Fotografie gefeiert, viel Unikram gemacht
|Gedacht| eine Woche frei nach einer Uniwoche wäre perfekt, aber so lange lassen sie kein Semester laufen...
|Gefreut| über die Hamburgcrew in Berlin zur Gala
|Geärgert| über mich selbst.
|Gewünscht| dass ich es schaffe, Uni, Blog, Diabetesprojekte, Privatleben irgendwann mal unter einen Hut zu bekommen
|Gekauft| nichts
|Geklickt| nichts, keine Zeit gehabt


Bei Instagram (@saytine) könnt ihr mich auch immer durch meine Woche begleiten, ein Foto ist schneller gepostet :)

x

bei der Diabetes Charity Gala in Berlin

Ich laufe wieder!

Es ist Herbst.

Herbstmenü

babe!

Montag, 13. Oktober 2014

EASD 2014 mit Roche

Hallo allerseits!
Heute würde ich euch gerne nachträglich von meinem EASD 2014-Erlebnis mit Roche erzählen und ausführlich davon berichten, was so die Themen dieses Jahr waren.

Roche hat für diese Reise meine Reise- und Übernachtungskosten übernommen.

EASD ist die European Association for the Study of Diabetes. Jedes Jahr gibt es eine in einem anderen europäischen Land ausgetragene Veranstaltung dazu. Mit Messe, auf der die Pharmafirmen neueste Produkte und Errungenschaften vorstellen können, vielen Vorträgen und Symposien und Veranstaltungen rundherum zum Thema Diabetes. Dieses Jahr fand man sich in Wien zusammen und ich durfte dabei sein. Knapp einen Monat ist meine kleine aufregende Reise nach Wien bereits wieder her. 
An dieser Stelle nochmals danke an Roche Diagnostics für das Möglichmachen ebendieser. 

Montagmorgen, am 15.09. flog ich gegen 7Uhr Richtung Wien und fuhr quasi vom Flughafen direkt zum Veranstaltungsort des Roche-Mediensymposiums, dem Studio 44. Das Thema des Medien-Symposiums lautete ” Personalized Diabetes Management 2.0 – Interactively connected for an optimized therapy” und einige der wichtigsten Schlagworte für mich waren: Kosteneinsparung, Closed Loop, Bolusrechner, vernetzte Patienten, mHealth.
Im Studio 44 habe ich auch einige andere Lieblings-#dedoc-Menschen getroffen. Es gab Getränke und Snacks und gegen 10Uhr ging es mit der Veranstaltung und dem offiziellen Programm los. Die herzliche Moderation übernahm an diesem Tag Frau Ute Volkmann, Brand PR Manager / Global Strategic Marketing & Communications bei Roche. Die Veranstaltung fand natürlich komplett auf Englisch statt. 

Herr Prof. Dr. Danne vom Kinder- und Jugendkrankenhaus "Auf der Bult" in Hannover machte den Anfang. Ich freute mich auf seinen Vortrag, da er mir bereits beim CAMP D mit seinem offenen, ehrlichen Auftritt im Gedächtnis geblieben ist. Man merkt einfach, dass er seine Arbeit liebt und mit ganzem Herzen dabei ist, und das ist toll. Die Fragen, die er stellte, waren unter anderem: "Was erwarten Menschen mit Diabetes heute von Insulinpumpen und gibt es neue Lösungsansätze, die den Erwartungen zukünftig gerecht werden?" Er erzählte aus seinem Klinikalltag und bestätigte, dass die Angst vor Hypos nach wie vor groß ist unter Menschen mit Diabetes (was ich absolut nachvollziehen kann - Hypos sind für mich mit schrecklichen Gefühlen verbunden...). Es war interessant zu hören, dass Hypos doch auch bei Ärzten als größere Gefahr für den Körper angesehen werden, als zum Beispiel "mal" hohe Werte zu haben. Außerdem nannte er ein Ziel, welches er sich für die Diabetestherapie der Zukunft wünscht: mehr Pumpen (für Kinder unter 6 Jahren direkt). Er zeigte Studienergebnisse von langjährigen Studien, die zeigen, dass die Pumpentherapie auf lange Sicht die bessere Therapie für Menschen mit Diabetes ist. Warum ist das so? Mit Pumpen hat man eine größere Flexibilität in der Therapie, man kann seine Therapie seinem Leben anpassen und somit mehr im persönlichen Zielbereich sein. Außerdem muss weiter darüber nachgedacht werden, wie die Patienten ihre BE, FPE und Insulineinheiten richtig schätzen/ errechnen können, um die Therapie genauer zu machen. Er berichtete davon, dass ab Quartal 4 2014 neue Studien mit der Accu Check Insight beginnen werden. 

Als nächstes war Frau Dr. Signe Schmidt vom Hvidovre Hospital in Dänemark an der Reihe. Sie berichtete sehr ausführlich von einer Studie mit dänischen Patienten und der Nutzung von Bolusrechnern und die Wirkung dessen auf Werte, Therapie, HbA1c, etc. Ihre Ergebnisse waren eindeutig: die Blutzuckerwerte der Patienten waren bemerkenswert stabiler, der HbA1c hat sich bei vielen um ein Vielfaches gebessert. Benutzt ihr Bolusrechner? Ich habe ehrlichgesagt noch nie darüber nachgedacht, seit dem Vortrag von Frau Dr. Schmidt bin ich etwas nachdenklicher geworden. Vorraussetzung für eine erfolgreiche Boluskalkulation muss allerdings sein, dass die BE korrekt geschätzt werden können. Sonst nützt das alles nichts.

Der dritte Vortrag an diesem Morgen kam von Herrn Lars Kalfhaus von Roche Diabetes care Spain, sein Thema war "mHealth". Er berichtete zunächst von der Situation der Patienten aktuell. Wir haben zwar eine recht personalisierte Therapie, aber wie oft sehen wir unseren Diabetologen im Jahr im Schnitt? Vielleicht fünf Stunden - aufgerundet? Kann mobile Health hier zu einer kleinen großen Revolution werden oder ist es nur ein Trendwort? Für Herrn Kalfhaus ist es jedenfalls mehr, als nur Health-Apps. Er sieht die Vorteile bei einem besseren Workflow innerhalb und außerhalb der Praxen und erwartet, dass mHealth den Wert von Healthcare beim Patienten verbessern kann, während dabei sogar noch Kosten für die Kassen eingespart werden können. Hierfür benötigt man ein einfaches Selbstmanagementsystem für die Patienten, mit Unterstützung in Dosierungsentscheidungen und beim Identifizieren von Blutzuckermustern. mHealth ist mehr als nur Apps und Geräte. Mann muss es nur schaffen, das durch Studien angehäufte Wissen zusammenzubringen umd korrekt zu Nutzen. Auch hat er kurz das System emminens eConnecta angesprochen, was wohl in Spanien recht verbreitet ist. Emminens eConecta ist eine modulare und anpassbare Web-basierte Plattform, die personalisiertes Diabetesmanagement ermöglicht und dabei Werkzeuge bietet, die über die traditionelle Datensammlung hinausgeht. Unterstützung der Interaktion zwischen medizinischem Fachpersonal und Patienten soll gleichzeitig dazu beitragen, effektive Bereitstellung von Unterstützung zu organisieren. Ich kannte das System bisher nicht und es hat mich neugierig darauf gemacht, was wohl in Zukunft zu uns kommen mag und welches System mit wem und was kombinierbar und connectbar sein wird. 

Es folgte eine kleine Pause mit Fingerfood und interessanten Gesprächen. Unter anderem ließ ich mir von Roche-Mitarbeitern aus den USA das Accu Chek Connect Diabetes Management System vorstellen, welches zusammen mit der Insight Pumpe auf den Markt kommen wird und welches aus App und Onlineplattform bestehen wird. Der Patient kann dort seine Werte und Daten detailgenau eintragen (oder vom Blutzuckermesssystem übertragen lassen) und der behandelnde Arzt kann darauf zugreifen, sollte er ebenfalls damit arbeiten. Interessant und gilt es definitiv zu beobachten. Die Zukunft der Diabetestherapie könnte "in the cloud" stattfinden. 

Anschließend folgte noch die Podiumsdiskussion mit allen beteiligten Rednern. Hier ging es unter anderem darum, dass positiver Umgang mit dem Diabetes zusammen mit guten Erfahrungen und einer guten Therapie zum bestmöglichen Erfolg führen kann. Auch wurde darüber diskutiert, dass die Therapie mit Bolusrechner eben nur gut funktioniert, wenn die BE korrekt eingeschätzt werden können. Ich bin wirklich sehr gespannt, in welcher Geschwindigkeit sich all diese Wünsche und Ziele erfüllen werden und schaue sehr neugierig auf den EASD 2015. 

Im Anschluss fuhren wir zum Wiener Messegelände, wo uns Teil zwei des Tages erwartete: Das Roche Industriesymposium. Ich war bereits ganz schön erledigt vom ersten Teil des Tages aber dennoch gespannt. Die Vorträge beim zweiten Symposium waren definitiv noch etwas mehr "advanced", würde ich sagen. Unter anderem sprach John Pickup aus England über die Optimierung der Diabetestherapie, was haben wir, was kommt (wirklich!)? Herr Dr. Ziegler, ein weiterer, mir vom CAMP D in Erinnerung gebliebener Arzt, sprach ebenfalls über die großen Auswirkungen der Therapie mit Bolusrechner, er nannte hierzu noch die BABE-Studie mit Kindern und Heranwachsenden. Er sagte: "It works, if you use it". Verringerte Hypos, weniger notwendige Korrekturen, die Therapie mit Bolusrechner funktioniert, wenn der Patient korrekt geschult ist (ich sage nur: wer hatte FPE in seinem Schulungsprogramm?). Debbie Hinnen aus den USA hielt einen Vortrag darüber, wie wichtig es ist, dass man die Muster in seinen Verläufen erkennen und damit umgehen und sie behandeln kann. Sie hofft, dass Apps und connecting systems das Tagebuchschreiben für die Patienten vereinfachen und man so einfacher, schneller, bessere Daten zum Patienten bekommt. Dr. Lutz Heinemann, der mir vom Typ 1 Day in Berlin bekannt ist, versuchte dann in seinem Vortrag die Puzzleteile zusammen zu fügen. Er sagt, dass Diabetes eine data management disease ist und wir lernen müssen, unsere Therapiedaten ordentlich zu sammeln und aufzubereiten, um die Therapie optimaler zu gestalten. Für ihn ist mHealth das nächste große Ding: Frühwarnsysteme, besserer Umgang mit der Therapie, weniger Stress, weniger Risiko und Kostenreduktion sind seine Stichworte. Außerdem müssen wir uns die Frage stellen, WEM die ganzen gesammelten Patientendaten am Ende gehören und WER darauf zugreifen kann (eine sehr wichtige Frage, wie ich finde).

Alles in Allem war es ein sehr toller Tag mit vielen spannenden Vorträgen und neuen Denkansätzen, der mir sehr gefallen hat. Es ist gut zu sehen, wie engagiert Ärzte international daran arbeiten, die Diabetestherapie für uns zu vereinfachen und ich bin wirklich gespannt darauf, was davon in den nächsten Jahren Alltag wird und was Vision bleibt.

x